Mittwoch, 24.09.2014

11:00 - 12:30 Uhr

Melanchthonianum HS XVIII

Vorsitz: Heusinger, Josefine (Berlin)

Selbsthilfe und Engagement – Rollen, Konflikte, Chancen

11:00 Uhr

P.-G. Albrecht
Fachbereich Sozial- und Gesundheitswesen, Hochschule Magdeburg-Stendal, Magdeburg;

S415-01

Generationswechselkonflikte in alternden Gruppen und Vereinen

Mit der politischen Wende wurden in Ostdeutschland eine Vielzahl an Gruppen und Vereinen mit kulturellen, sozialen und interessenvertretungszielen gegründet. Eine vielfältige und bunte Zivilgesellschaft entstand und wurde - geprägt von Vorwende- und Wendeerfahrungen sowie neuen Visionen - Träger der kulturellen, sozialen und politischen Entwicklung der 1990er und 2000er Jahre.

Mittlerweile zeigt sich deutlich: Viele dieser Gruppen und Vereine und insbesondere ihre Mitglieder sind in die Jahre gekommen. Aufgrund des demografischen Wandels fehlt der Nachwuchs und zwingt das Lebensalter die Alteingesessenen zum Aufhören.

Diese Gruppen und Vereine - Kulturfördervereine, Selbsthilfeorganisationen, gewerkschaftliche Gruppen, die Volkssolidarität, die Ortsgruppen von Arbeiterwohlfahrt und Diakonie, die Ortsgruppen der Parteien, Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretungen - benötigen einen Generationswechsel, tabuisieren diesen jedoch zumeist und schieben ihn auf.

Das Angehen der Frage, wie ein Generationswechsel erfolgreich gestaltet werden kann, ist eine Aufgabe, die die genannten alternden Gruppen und Vereine zumeist nicht aus sich selbst heraus in Angriff nehmen können. Die Gefahr, dass in dieser Übergangsphase die Gruppen und Vereine den ausscheidenden Alteingesessenen nicht gerecht werden, die Nachwuchsgewinnung misslingt und die Gruppenleitungen resignative und/oder autoritäre Übergangsstrategien nutzt, ist groß.

Dem begegnet das geplante Coaching- und Beratungsprojekt „Generationswechsel aktiv“ der Hochschule Magdeburg-Stendal. Das Projekt unterstützt alternde Gruppen bzw. Vereine, in dem mit der Leitung, einzelnen Engagierten und der gesamten Vereinigung gearbeitet wird und die Erfahrungen in ein Handlungskonzept zum Generationswechsel einfließen.

Angestrebtes Ziel der Projektarbeit ist es stets,
- die internen Gruppen- und Vereinsstrukturen zu thematisieren,
- die Gruppen bzw. Vereine für die Bedürfnisse ihrer Mitglieder sowie des Nachwuchses zu sensibilisieren sowie
- demokratische Leitungsstrategien zu entwickeln für diese zumeist als Krise empfundene Gruppen- und Vereinsübergangsphase zugunsten nachhaltiger Veränderungen oder aber auch einer guten Beendigung der Gruppen- und Vereinsarbeit.

11:20 Uhr

S. Lüders; A. Kuhlmann
Forschungsgesellschaft für Gerontologie e.V., Institut für Gerontologie, Technische Universität Dortmund, Dortmund;

S415-02

Herausforderungen bei der Initiierung gegenseitiger Selbsthilfe am Beispiel der Bocholter Bürgergenossenschaft

Hintergrund und Zielsetzung:
Die Idee der Senioren- oder Bürgergenossenschaften erfährt derzeit einen starken Aufschwung und es wird viel Hoffnung darauf gesetzt, dass die nach dem genossenschaftlichen Prinzip der gegenseitigen Selbsthilfe arbeitenden Initiativen einen wichtigen Beitrag zur Lösung demografisch bedingter Herausforderungen leisten können.
Die im bisherigen Projektverlauf generierten Erfahrungen der Bocholter Bürgergenossenschaft (bbg) weisen jedoch, neben zahlreichen Potenzialen, auch auf Herausforderungen hin, die sich im (Gründungs-)Verlauf einer Senioren-/Bürgergenossenschaft ergeben – und welche nicht zuletzt Stressfaktoren für die unterschiedlichen Akteure darstellen können.

Fragestellungen:
- Welchen Herausforderungen sehen sich die InitiatorInnen von Senioren- oder Bürgergenossenschaften gegenübergestellt?
- Welche Auswirkungen haben diese einerseits auf die einzelnen (Gründungs-)Mitglieder, andererseits auf den allgemeinen Gründungsprozess?
- Welche Lösungsstrategien lassen sich zum Umgang mit Herausforderungen ableiten?

Methodik:
- Analyse des Forschungsstands
- teilnehmende Beobachtung
- Befragungen
- Dokumentation und Auswertung von Stadtteilgesprächen
- Auswertung einer Anbieteranalyse

Ergebnisse:
Es konnten unterschiedliche Herausforderungen bei der Gründung einer Senioren- /Bürgergenossenschaft identifiziert werden:
- Graubereich des „vergüteten Engagements“
- Konkurrenz zu anderen Anbietern
- Finanzielle und (steuer-)rechtliche Herausforderungen
- Differenzen zwischen den Gründungsmitgliedern
- Hohe Abhängigkeit der „Gegenseitigkeitsgebilde“ vom Engagement Einzelner > Gefahr der Überforderung, aber auch eines Qualitätsverlusts der Leistungen
- Schwierigkeiten bei der Erreichbarkeit und beim Einbezug aller Bürgerinnen und Bürger
- Unzureichende Wissensaufbereitung und Beratungsinfrastruktur zu Genossenschaftsgründungen

Aus diesen Herausforderungen lässt sich der Bedarf nach ermöglichenden Rahmenbedingungen sowie einem transparenten Wissensmanagement inklusive umfassender und valider Handlungsempfehlungen für die Gründung von Senioren-/Bürgergenossenschaften ableiten. Sie sollen nach Abschluss des Projektes entsprechend formuliert werden.

11:40 Uhr

M. Leontowitsch; I. R. Jones1; P. Higgs2
Hofheim; 1 School of Social Sciences, Cardiff University, Cardiff/GB; 2 Division of Psychiatry, University College London, London/GB;

S415-03

Frührente im gehobenen Management – frühe Entscheidung aber späte Rollenfindung

Veränderungen im Verlauf des Ruhestandes und des Alterns können seit einer Weile beobachtet werden. Diese haben ihre Wurzeln in der Hinwendung zu einer Aktivgesellschaft, die ein Ausdruck der Spätmoderne ist. In der Gegenwärtigkeit stetiger Veränderung und dem Rückzug moderner Institutionen wird von Individuen eigenverantwortliches und vorsorgendes Verhalten verlangt. Das bedeutet aber, dass Menschen oft schnell und in sehr ungewissen Gegebenheiten Entscheidungen treffen müssen. In dieser Ungewissheit wird von Menschen verlangt, Verantwortliche ihrer eigenen Lebens- und Arbeitsbiographie zu sein. Wie sich diese Veränderungen auf die Entscheidung des Rentenantritts und des Ruhestand auswirken ist noch wenig erforscht. Dieser Vortrag befasst sich mit dem Thema Frührente als freiwilliger Austritt aus dem aktiven Arbeitsleben und als bewusste Entscheidung für eine neue Lebensphase. Es werden Daten aus einer qualitativen Interviewstudie gezeigt, in denen Männer und Frauen, die in gehobenen Managementpositionen in England arbeiteten, sich für eine Frühverrentung entschieden haben. Der Vortrag konzentriert sich auf die Prozesse, die zu dieser Entscheidung hinführten, sowie auf die Tätigkeiten und Rollen, die sich die Interviewten für den Ruhestand vorgestellt hatten. Mit einigen Teilnehmern konnten sieben Jahren nach den ersten Interviews Folgegespräche geführt werden. Diese Daten unterstreichen die Herausforderungen des Rollenfindungsprozesses im Ruhestand, die durch familiäre, gesundheitliche und generative Faktoren beeinflusst werden.

entfällt

M. Lischka
Institut für Gerontologie & Institut für Strukturforschung in agrarischen Intensivgebieten, Universität Vechta, Vechta;

S415-04

Die Bedeutung des Engagements zugewanderter älterer Menschen für die regionale und kommunale Entwicklung

In diesem Vortrag wird der Frage nachgegangen, wie sich Wanderungseffekte und das Engagement älterer zugewanderter Menschen auf die Sozialstruktur und lokale Entwicklung auswirken. Das bürgerschaftliche Engagement älterer Menschen wird vermehrt als wichtiger Faktor für die soziale Raumstruktur und -entwicklung thematisiert. Im Zuge des demographischen Wandels wächst auch das Interesse am Wanderungsverhalten dieser Bevölkerungsgruppe im wissenschaftlichen Diskurs. Bisher fehlt es allerdings an einer integrierten Betrachtung dieser beiden Forschungsstränge in der Literatur. Ziel des Beitrags ist es, die Verbindung von (Binnen-) Wanderung und Engagement aufzuzeigen und methodische Ansätze zur Erfassung der Beziehungen älterer engagierter Menschen und Akteuren der Regional- und Kommunalentwicklung zu formulieren. Die theoretische Fundierung der Verbindung von Wanderung und Engagement erfolgt über einen Transfer der Migrationssystemtheorie aus dem transnationalen in den regionalen Kontext, unter Einbezug der Akteur-Netzwerk- und der Sozialkapitaltheorie. Die empirische Basis bilden qualitative Studien in ausgewählten Untersuchungsregionen. Mittels Fokusgruppen-Diskussionen und Interviews mit bürgerschaftlich aktiven Akteuren und Gruppen sollen die Rolle der engagierten Zuwanderer sowie etwaige Konflikte, Kooperationen und Integrationsfaktoren ermittelt werden. Aus dieser Gruppe werden Personen mit Wanderungshintergrund zusätzlich einzeln befragt. Die Wechselwirkungen mit Institutionen, wie z.B. Behörden, Vereine und Verwaltungen, werden über Interviews mit deren Vertretern und einer Netzwerkanalyse herausgearbeitet; so wird auch die Einschätzung von Planungsvertretern eingeholt. Es hat sich gezeigt, dass bisherige Forschungen keine eindeutigen Antworten auf diese Fragestellung geben. Erste Ergebnisse tendieren zu der Aussage, dass über die Binnenwanderer eine Verbindung von Ziel- und Herkunftsort als Transfers von Sozialkapital entsteht. Zugewanderte besitzen nutzbare Innovationspotenziale, die, sofern sie sich engagieren, in die Regional- und Kommunalentwicklung einfließen können.