Mittwoch, 24.09.2014

11:00 - 12:30 Uhr

Melanchthonianum HS XVI

Vorsitz: Otto, Ulrich (Zürich/CH); Opielka, Michael (Jena)

Und was folgt daraus? - Wissenschaftsbasierte Handlungsempfehlungen im Kontext der Versorgungsforschung und Politikberatung

Gerade in der gerontologischen Forschung spielen Anwendungsbezüge immer wieder eine herausragende Rolle. Die Frage, wie sozialgerontologisch orientierte Forschung zu einer Verbesserung der Versorgungssituation hilfsbedürftiger Älterer beitragen kann, bleibt kontinuierlich aktuell. Im Symposium eröffnen unterschiedliche Forschungsprojekte einen Diskursraum, wie ein Transfer von differenzierenden Forschungsergebnissen zu anwendungsorientierten Empfehlungen an Politik, Träger sowie unterschiedlichen weiteren Akteursgruppen im Kontext der Versorgung Älterer geschehen kann.

Michaela Evers-Wölk und Michael Opielka erörtern in ihrem Beitrag wie eine wissenschaftsbasierte Politikberatung im Feld der Altenhilfe als mehrdimensionaler Prozess verstanden werden kann. Sie greifen dazu auf das Konzept der Translation zurück und wenden es im Kontext eines aktiven Schnittstellenmanagements.

Theresa Hilse, Doreen Huke und Sarina Strumpen berichten aus dem SILQUA-Projekt KoAlFa, in dem aus Ergebnissen eines mehrstufigen qualitativ-empirischen Studiendesigns Empfehlungen entwickelt werden, die Akteure im Kontext der häuslichen Versorgung bei Demenz adressieren. Der Vortrag fokussiert den Prozess, wie Empfehlungen zirkulär zwischen Datenauswertung und Workshops mit Vertretern der Fachöffentlichkeit entwickelt wurden.

Jürgen Wolf reflektiert Erfahrungen aus dem SILQUA-Projekt SefKov, in dem ein kooperativer Entwicklungsprozess von forschungsbasierten Maßnahmen zur Implementierung gerontologischen Wissens in den kommunalen Verwaltungsalltag versucht wurde. Eine ausgeprägte Offenheit in kommunikativen Prozessen steht dabei einer Geschlossenheit von Verwaltungsstrukturen entgegen. Diese ambivalenten Erfahrungen können Hinweise zu verwaltungsspezifischen Voraussetzungen der „Age-friendly-Cities“-Strategie liefern.

Astrid Hedtke-Becker berichtet aus dem SILQUA-Projekt InnoWo welches u.a. zum Ziel hatte, die „Kann-Bruchstellen“ zu identifizieren, die dazu führen, dass alte Menschen, die ausdrücklich den Wunsch äußerten, bis zuletzt zu Hause wohnen zu bleiben, dies letztendlich nicht umsetzen können. Daraus lassen sich Handlungsempfehlungen ableiten, die weitreichende Konsequenzen haben.

11:00 Uhr

M. Opielka; M. Evers-Wölk1
Fachbereich Sozialwesen, Ernst Abbe Fachhochschule Jena, Jena; 1 IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, Berlin;

S409-01

Translation im Wissenstransfer: Politikberatung im Versorgungssystem Demenz

Wissenschaftliche Politikberatung im Feld der Altenhilfe muss als multidimensionaler und multitemporaler, damit aber auch riskanter und missverständlicher Prozess verstanden werden. Das Konzept der Translation, bislang insbesondere für den Transfer von naturwissenschaftlicher Grundlagenforschung in klinische Forschung, aber auch im interkulturellen Wissenstransfer verwendet, kann für die Politikberatung im Versorgungssystem Demenz nützlich sein. Im Vortrag werden Ziele, Dimensionen und Probleme der Translation am Beispiel von technikbasierten und sozialarbeitsbasierten Schnittstellen vor dem Hintergrund gesamtgesellschaftlicher Veränderungen im Feld Demenz erörtert. Die sozialpolitischen Medien Geld und Recht können solche Schnittstellen nur unvollständig abbilden. Es erscheint daher hilfreich Translationsprozesse zu entwickeln, die das Problem des Schnittstellenmanagements selbst zum Thema machen: Wie kann die Koproduktion von Hilfe verschiedener Akteure mit unterschiedlichen Sprachen und Handlungslogiken organisiert werden? Wie können naturwissenschaftliche, technikwissenschaftliche und sozialwissenschaftliche Denkstile an konkreten Handlungsproblemen produktiv übersetzt werden?

11:20 Uhr

S. Strumpen; T. Hilse; D. Huke
Fachbereich Sozialwesen, Ernst Abbe Fachhochschule Jena, Jena;

S409-02

Koproduktion als Ziel im Hilfesystem Demenz

Im BMBF-geförderten Silqua F+E-Projekt KoAlFa (Koproduktion im Welfare Mix der Altenarbeit und Familienhilfe) wird untersucht, wie die am Hilfesystem für Menschen mit Demenz beteiligten Akteursgruppen der Fachkräfte, Familien und Freiwilligen zusammenwirken. Ziel des Forschungsprojektes ist es unter anderem herauszufiltern, welche Potentiale im Hilfesystem Demenz stecken und wie eine koproduktive Zusammenarbeit der helfenden Akteursgruppen gefördert werden kann. Aufbauend auf Analyseergebnissen einer qualitativ-empirischen Untersuchung wurden Empfehlungen an verschiedene Adressaten des Hilfesystems formuliert und in Workshops mit Akteuren des Hilfesystems diskutiert.

Im Vortrag wird thematisiert, welche Aspekte bei der Entwicklung der Empfehlungen beachtet wurden und welche Herausforderungen sich stellten. Im Fokus steht die im Feld thematisierte Idee eines „Begleitungsmodells“. Es wird auf mehreren Ebenen dargestellt inwiefern eine aus dem Feld heraus formulierte Weiterentwicklung des Hilfesystems Demenz mit den weiteren Ergebnissen der empirischen Studie zu vereinbaren ist und an welche weiteren Rahmenbedingungen sich aus einem wissenschaftlich orientierten Projekt gespeiste Empfehlungen orientieren müssen.

11:40 Uhr

J. Wolf
Fachbereich Sozial- und Gesundheitswesen, Hochschule Magdeburg-Stendal, Magdeburg;

S409-03

Kooperative Maßnahmenentwicklung für eine seniorenfreundliche Stadtverwaltung

In dem Beitrag werden Erfahrungen aus dem SILQUA-Projekt SefKov (Seniorenfreundliche Kommunalverwaltung) reflektiert, in dem ein kooperativer Entwicklungsprozess von forschungsbasierten Maßnahmen zur Implementierung gerontologischen Wissens in den kommunalen Verwaltungsalltag versucht wurde, einschließlich der Einrichtung und wissenschaftlichen Begleitung eines „Perspektivenbüros“ bei der Stadtverwaltung. Das Forschungsprogramm umfasste leitfadengestützte Interviews, eine quantitative Totalerhebung der Mitarbeiter einer Stadtverwaltung und die Prozessbegleitung der Erarbeitung eines "seniorenpolitischen Konzepts" der Kommune.
Im Transfer der Forschungsergebnisse stand eine ausgeprägte Offenheit in kommunikativen Prozessen einer Geschlossenheit von Verwaltungsstrukturen entgegen. Diese ambivalenten Erfahrungen werden in dem Beitrag dargestellt und hinsichtlich der Umsetzungschancen reflektiert. Sie sind geeignet, Hinweise zu den verwaltungsspezifischen Voraussetzungen der Umsetzung der „Age-friendly-Cities“-Strategie zu liefern.

12:00 Uhr

A. Hedtke-Becker; U. Otto1
Fakultät für Sozialwesen, Hochschule Mannheim, Mannheim; 1 Careum Forschung, Gesundheit, Kaleidos Fachhochschule, Zürich/CH;

S409-04

„Kann-Bruchstellen des Zuhause-Wohnenbleibens“ in der Diskussion- wie können Betroffene, Angehörige, Dienste, Einrichtungen und die Politik profitieren?“

Zu Hause wohnen bis zuletzt“ – dies wünschen sich die meisten Älteren auch bei wachsendem Pflegebedarf. Internationales Credo dabei ist „Aging in place“ oder „ambulant vor stationär“. Dabei sterben die meisten Menschen in Institutionen. Weder die familiäre Pflege noch die Inanspruchnahme üblicher ambulanter Pflege allein scheint das Zuhausebleiben auf Dauer zu ermöglichen.
Im SILQUA-geförderte Projekt InnoWo (Zuhause wohnen bleiben bis zuletzt – in innovativen Wohnformen bzw. mit innovativ-ganzheitlichen Diensten) wurde in Langzeit-Fallstudien durch qualitativ-empirische Analysen herausgearbeitet, welche Situationen und Ereignisse im Einzelnen dazu führen können, dass alte Menschen mit schweren chronischen Erkrankungen sich in stationäre Pflege begeben entgegen ihrem ausdrücklichen Wunsch und obwohl ein ganzheitliches, funktionierendes Setting eines innvovativen Dienstes mit Fachkräften verschiedener Kompetenzen vorhanden ist und auch gut genutzt wird.
In dem Beitrag werden zuerst einige Ergebnisse vorgestellt- darunter auch solche, wo das Zuhause-Bleiben dauerhaft gelungen ist-, um dann in einem kurzen Workshop mit den Teilnehmenden des Symposiums exemplarisch aus verschiedenen Perspektiven darüber zu diskutieren und Transferebenen zu lokalisieren.