Mittwoch, 24.09.2014

15:30 - 17:00 Uhr

Melanchthonianum HS XV

Vorsitz: Frewer-Graumann, Susanne (Münster)

Stress als Chance für Teilhabeprozesse im Alter

Das Symposium möchte den Fokus auf das Zusammenspiel von Stress und Teilhabe legen. Dabei wird Stress durchaus positiv als Chance für Veränderungen betrachtet: Das Grundrecht auf umfassende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben birgt insbesondere im Prozess des Älterwerdens Stresspotential bei den älterwerdenden Menschen selbst, dem familiären und sozialen Umfeld, den Trägern, den Angebotsplanern, der Politik und auch der Wissenschaft. Die Umsetzung der Leitidee der Teilhabe weist eine Reihe von Widersprüchen und Ambivalenzen auf, die auf unterschiedlichen Ebenen sichtbar werden. Im Rahmen des Symposiums soll der Fokus auf notwendigen, Teilhabe ermöglichenden Veränderungsprozessen liegen, die aus unterschiedlichen Perspektiven dargestellt werden. Der sozialplanerischen Perspektive der Teilhabe widmet sich das Forschungsprojekt "SOPHIA", in dem Methoden und Möglichkeiten entwickelt und erprobt werden, um Menschen mit und ohne Behinderung im Alter und ihre bisher „schwach vertretenen Interessen" in kommunale Planungen einzubinden. Susanne Frewer-Graumann wird in dem Beitrag: „Teilhabe von ‚schwach vertretenen Interessen‘ an kommunalen Planungsprozessen – Herausforderungen und Möglichkeiten“ die Erfahrungen aus dem o.g. Projekt vorstellen (1). Der Beitrag von Kristin Backhaus mit dem Titel: „Lebenswelten entdecken – Ergebnisse einer Sozialraumanalyse aus der Sicht von alten Menschen mit und ohne lebensbegleitende Behinderung“ thematisiert das Aneignungshandeln älterer Menschen im sozialen Nahraum (2). Der Beitrag von Milena von Kutzleben mit dem Titel „Angehörige als Akteure in Versorgungsverläufen von zu Hause lebenden Menschen mit Demenz“ fokussiert auf das Versorgungshandeln involvierter Angehöriger und auf die Identifizierung besonders vulnerabler Phasen im Versorgungsverlauf, in denen Teilhabemöglichkeiten u. U. stark eingeschränkt sein können (3). In ihrem Beitrag „Angehörige von Menschen mit Demenz und ihre Teilhabechancen“ nimmt Liane Schirra-Weirich Angehörige als zentrale Akteure eines komplexen Versorgungsarrangements in den Blick. Diese stehen vor der Herausforderung die „Familienkrankheit Demenz“ als kritisches Lebensereignis zu gestalten, sind multiplen Rollenanforderungen ausgesetzt und dadurch in ihren Teilhabemöglichkeiten determiniert (4).

15:30 Uhr

S. Frewer-Graumann; M. Katzer; S.  Schäper
Fachbereich Sozialwesen, Katholische Hochschule NRW, Münster;

S405-01

Teilhabe von „schwach vertretenen Interessen“ an kommunalen Planungsprozessen – Herausforderungen und Möglichkeiten

Im Forschungsprojekt „Sozialraumorientierte kommunale Planung von Hilfe- und Unterstützungsarrangements für Menschen mit und ohne lebensbegleitende Behinderung im Alter“ (SoPHiA) werden Methoden und Möglichkeiten entwickelt und erprobt, um Menschen mit und ohne Behinderung im Alter mit ihren Interessen und Vorstellungen in kommunale Planungsprozesse einzubinden. Aktuell findet die Einbindung dieser bisher „schwach vertretenen Interessen“ unzureichend statt. Klassische Verfahren der Bürgerbeteiligung wie Zukunftswerkstätten und Bürgerforen adressieren in ihrer organisatorischen und inhaltlichen Ausrichtung eher Personengruppen, die ihre Interessen so artikulieren, dass sie auf Anhieb wahrgenommen und verstanden werden. Ziel des Vortrages ist es, einen Überblick darüber zu geben, wie bestehende Methoden und Konzepte der partizipativen Sozialplanung künftig gestaltet und organisiert werden müssen, um auch Bürger*innen mit bisher „schwach vertretenen Interessen“ Beteiligungschancen und damit Teilhabemöglichkeiten zu sichern. Die im Forschungsprojekt konkret gemachten Erfahrungen der Beteiligung von Bürger*innen mit „schwach vertretenden Interessen“ werden zur Diskussion gestellt.

15:50 Uhr

K. Backhaus
Katholische Hochschule NRW, Abteilung Münster, Münster;

S405-02

„Lebenswelten entdecken – Ergebnisse einer Sozialraumanalyse aus der Sicht von alten Menschen mit und ohne lebensbegleitende Behinderung“

„Lebenswelten entdecken“ untersucht als Teilprojekt des Forschungsprojekts „Sozialraumorientierte kommunale Planung von Hilfe- und Unterstützungsarrangements für Menschen mit und ohne lebensbegleitende Behinderung im Alter“ (SoPHiA) das Aneignungshandeln im sozialen Nahraum von alten Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen. Aktuelle Verfahren der Bürgerbeteiligung, wie sie in kommunalen Planungsprozessen einbezogen werden, um die Teilhabe der Bürger*innen zu sichern, adressieren diese Personengruppen bislang nicht. Mittels einer qualitativen mehrstufigen Sozialraumanalyse werden die Interessen und Perspektiven von Menschen mit Demenz, Menschen mit geistiger und psychischer Beeinträchtigung sowie Menschen mit Sehbeeinträchtigung in Bezug auf eine teilhabeermöglichende Ausrichtung des Sozialraums rekonstruiert. Im Mittelpunkt der Forschung steht die subjektive Sichtweise der Teilnehmer*innen auf ihre Lebenslagen und Handlungsspielräume. Die Ergebnisse zeigen, wie sich Prozesse der Aneignung und Teilhabe gestalten, welches Stresspotential sie beinhalten und mit welchen Herausforderungen und Chancen – für die einzelnen Personen und ihr soziales Umfeld aber auch für die Gesellschaft – sie einhergehen. Des Weiteren zeigt die Analyse Parallelen sowie Unterschiede in den persönlichen Sozialräumen und den individuellen Alterungsprozessen, die zur Sicherung von Teilhabemöglichkeiten dieser Personengruppen in kommunale Planungsprozesse einbezogen werden sollten.

16:10 Uhr

M. von Kutzleben; B. Holle
Arbeitsgruppe Versorgungsstrukturen, Standort Witten, Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE), Witten;

S405-03

Angehörige als Akteure in Versorgungsverläufen von zu Hause lebenden Menschen mit Demenz

Hintergrund: Im Zuge der demographischen Entwicklung gewinnt die Demenz als eine altersassoziierte neurodegenerative Erkrankung zunehmend an gesellschaftlicher und sozialpolitischer Bedeutung. Das Projekt VerAH-Dem (Verläufe häuslicher Versorgungsarrangements für Menschen mit Demenz) untersucht die Entwicklung häuslicher Versorgungsarrangements im Verlauf der Erkrankung. Der vorliegende Beitrag fokussiert auf das Versorgungshandeln involvierter Angehöriger und auf die Identifizierung besonders vulnerabler Phasen im Versorgungsverlauf.
Methoden: Befragt wurden versorgende Angehörige von zu Hause lebenden Menschen mit Demenz. Fragebogenerhebung (n= 102) zur Selbstorganisation und Inanspruchnahme informeller und formeller Hilfen in Versorgungsarrangements. Narrative Interviews (n= 8) zur Rekonstruktion des Versorgungshandelns und typischer Verläufe.
Ergebnisse: Ein Großteil (85,3%) der untersuchten Versorgungsarrangements nahm formelle Hilfen in Anspruch. Insgesamt übernahmen jedoch versorgende Angehörige nicht nur die Hauptverantwortung, u. a. als gesetzliche Betreuer (57,6%), sondern erbrachten in den meisten Fällen (87,8%) auch den größten Anteil der Betreuung und Pflege. Die Versorgungssituation wurde mehrheitlich als „gut geregelt“ empfunden (80,4%) und die Befragten waren optimistisch, die Versorgung auch bei Fortschreiten der Demenz, evtl. mit zusätzlichen Hilfen (44,1%), zu Hause sicherstellen zu können. Dabei ging eine hohe Pflegestufe mit einer als subjektiv hoch empfundenen Stabilität einher. Die qualitativen Ergebnisse der Studie unterstreichen dieses Ergebnis. Insbesondere die Zeit nach Manifestation der ersten Demenzsymptome bis in die mittleren Stadien der Erkrankung, wurde als besonders herausfordernd und oftmals als eine Zeit großer Unsicherheiten und nicht gedeckter Bedarfslagen geschildert.
Schlussfolgerungen: Die Untersuchung von Versorgungsverläufen zeigte, dass Angehörige eines Menschen mit Demenz insbesondere in den früheren und mittleren Phasen der Erkrankung stark in die Versorgung involviert sind. In diesen Phasen sind ihre Teilhabemöglichkeiten oftmals eingeschränkt, gleichzeitig liegen hier aber auch Potentiale, u.a. auf leistungsrechtlicher Ebene, die Teilhabechancen betroffener Familien zu verbessern.

16:30 Uhr

L. Schirra-Weirich; H. Wiegelmann
Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen, Köln;

S405-04

Angehörige von Menschen mit Demenz und ihre Teilhabechancen

Versorgende Angehörige stehen vor der Herausforderung die „Familienkrankheit Demenz“ als kritisches Lebensereignis zu gestalten. Wissenschaftlich bewiesen ist, dass Angehörige von Menschen mit Demenz hohen Belastungen ausgesetzt sind und gleichzeitig eine Schlüsselrolle in einem vielschichtigen und komplexen Versorgungsarrangement einnehmen. Versorgende Angehörige bewegen sich dadurch in einem Feld multipler stressfördernder Rollenanforderungen und sind in ihren Teilhabemöglichkeiten stark determiniert. Studien belegen, dass Menschen mit Demenz nicht isoliert und die Gruppe der versorgenden Angehörigen nicht als Monolith zu betrachten sind. Vielmehr bedarf es einer differenzierten Betrachtung des Patienten-Angehörigen-Tandems. Im Rahmen der wissenschaftlichen Evaluation des „DemenzNetz StädteRegion Aachen” wurde u.a. deshalb eine Typologisierung mittels einer hierarchischen Clusteranalyse vorgenommen um darauf aufbauend Rahmenbedingungen für sozialarbeiterische Interventionen zur Entlastung von versorgenden Angehörigen zu entwerfen. Mit Hilfe der Clusteranalyse konnten drei Patienten-Angehörigen-Hauptgruppen identifiziert werden, von denen wiederum zwei als potentiell krisenhaft und damit für die versorgenden Angehörigen als Teilhabegefährdend zu beschreiben sind.
Unter Heranziehung empirischer Daten aus dem Projekt „DemenzNetz StädteRegion Aachen“, werden Angehörige als zentrale Akteure eines komplexen Versorgungsarrangements und als Teil des Patienten-Angehörigen Tandems in den Blick genommen und Potentiale des Case Management-Konzepts als Chance der psycho-sozialen Entlastung und damit Teilhabeermöglichung für versorgende Angehörige thematisiert.