Mittwoch, 24.09.2014

11:00 - 12:30 Uhr

Melanchthonianum HS XX

Vorsitz: Kleinemas, Uwe (Bonn); Wolf, Tabea (Ulm)

Technik, Kommunikation und Altersbilder

11:00 Uhr

M. Leser
Fachbereich Alter, CURAVIVA Schweiz, Bern/CH;

S313-01

Technische Assistenz in Alters- und Pflegeheimen: Akzeptanz aus Sicht der Pflegefachpersonen

Das Fachpersonal in den Alters- und Pflegeheimen wird künftig immer schwerer zu rekrutieren sein. Gleichzeitig nehmen die stressbedingten Belastungen des Fachpersonals laufend zu, sei es aufgrund der immer komplexeren Pflegesituationen, oder sei es aufgrund einer überbordenden Bürokratie.

CURAVIVA Schweiz hat zusammen mit der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ein Froschungsprojekt mit folgender Fragetellung lanciert: Unter welchen Bedingunen wird technische Assistenz von Pflegefachpersonen in Heimen genutzt?

Das dreiphasige Projekt zeigt auf, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit neue Technologien im stationären Altersbereich zu einer Reduktion von Stress und damit zu einer Steigerung der Arbeitsattraktivität führen. Ausgehend vom "Technik-Akzeptanz-Modell" von Davis lassen sich durch die qualitativen Experteninterviews aus Phase I u.a. die folgenden Kriterien als bedeutsam skizzieren: Individuelle Vorerfahrungen, Freiwilligkeit, Bedeutung für die Arbeitsergebnisse (Ergbenisoutput), Steigerung des Wohlbefindes der BewohnerInnen. Benutzerfreundlichkeit und Nutzen. Die Ergebnisse aus den Experteninterviews wurden Fachpersonen (n=20) aus verschiedenen Bereichen der Altetrs- und Pflegeheimen vorgelegt. Dort wurden sie ergänzt und mit konkreten Anwendungsfällen aus dem Heimalltag hinterlegt. Vorgesehen ist nun in einer interaktiven Plattform bis ca. Spätsommer 2014 (zusammen mit dem Forschungszentrum für Informatik aus Karlsruhe) eine Webseite zu kreieren, in welcher stationäre Anwendungsfälle und technologische Produkte miteinander verknüpft und dargestellt werden.

In einer dritten Phase werden die Ergebnisse ab Herbst 2014 in einer repräsentativen Studie in den Alters- und Pflegeheimen der Schweiz verifiziert. In dem Vortrag sollen die ersten beiden und oben kurz skizzierten Phasen vorgestellt werden.

11:20 Uhr

J. Schoch; H. Miller-Teynor
Institut für Gerontologie, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Heidelberg;

S313-02

„Ich hab ein Handy, aber es ist immer ausgeschaltet“ Ergebnisse einer qualitativen Studie zur Techniknutzung im Alter

Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) haben in den letzten Jahren in nahezu allen Lebensbereichen und –altern an Bedeutung gewonnen. Wie bisherige - überwiegend quantitative -Studien zeigen konnten, sind ältere Menschen nicht technikfeindlich, verfügen jedoch im Vergleich zu jüngeren über weniger Technikerfahrung, eine geringere Technikbereitschaft sowie eine eher zurückhaltende Distanz gegenüber technischen Neuheiten. Darüber hinaus nutzen sie weniger technische Geräte, insbesondere im IKT-Bereich. Qualitative Studien, die sich mit den Besonderheiten des Medienumgangs älterer Menschen beschäftigen, sind dagegen seltener zu finden. Um tiefergehende Einblicke in die subjektiven Wahrnehmungs-, Deutungs- und Handlungsmuster älterer Menschen in Zusammenhang mit neuen Technologien zu erlangen, wurden anhand einer qualitativen Studie im Rahmen des Projekts S-Mobil 100 halbstrukturierte Leitfadeninterviews mit älteren Menschen (n = 20; 58-81 Jahre) geführt. Ziel der explorativ angelegten Analyse war es, qualitative empirische Daten zu Erfahrungen, Einstellungen, Interessen und Bedürfnissen älterer Menschen in Bezug auf den Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnik zu erfassen. Die Auswertung erfolgte durch die Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring anhand induktiver Kategorienbildung. Wie die Ergebnisse zeigen, waren die Befragten prinzipiell interessiert und aufgeschlossen gegenüber neuen Technologien. Neben Möglichkeiten und Potentialen wurden allerdings auch Nachteile und kritische Aspekte bewusst reflektiert, teilweise kamen gespaltene Haltungen zum Ausdruck. Neue Medien wurden in der Regel nicht beiläufig genutzt, sondern in Bezug auf einzelne Funktionen und deren Nutzwert ganz gezielt ausgewählt. Nahezu alle Befragten waren sich darin einig, dass der Umgang mit Technik im Alter bewusst erlernt und weiterhin geübt werden müsse und wünschten sich diesbezüglich individuelle Unterstützung. Kinder und Enkel fungierten bei auftretenden Fragen und Problemen als Ratgeber und Ansprechpartner. Die Ergebnisse können einerseits einen grundlegenden Beitrag zum tieferen Verständnis von Techniknutzung im Alter leisten, zum anderen lassen sich daraus praktische Implikationen für die Entwicklung und Implementierung neuer Technologien ableiten.

11:40 Uhr

U. Marotzki, K. Weiß
Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit, Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK), Hildesheim;

S313-03

Für SeniorInnen On- und Offline-Beratung arrangieren

Mit den geburtenstarken Jahrgängen kommen in den nächsten Jahren allmählich die Generationen in das Rentenalter, die mit dem Computer und dem Internet umzugehen gelernt haben. Die demografische Wende sorgt zudem für einen starken Anstieg der Personen, die mit altersbedingten Problemstellungen konfrontiert sind und verstärkt Therapie und Beratung bedürfen. Im Vortrag wird das vom BMBF über drei Jahre geförderte Forschungsprojekt „Für SeniorInnen on- und offline Beratungsangebote arrangieren (SooBa)“ vorgestellt. Ziel des Projekts ist es, Rahmenbedingungen und Konsequenzen der Einführung von Online-Beratung für Seniorinnen und Senioren zu untersuchen. Die Studie ist gekoppelt an die modellhafte Entwicklung, Implementierung und Erprobung von Online-Beratung in einem koordinierten Netzwerk ausgewählter beratungsleistender Einrichtungen in Hildesheim. Das Vorgehen zur Klärung der Forschungsfragen und bei der Implementierung der Online-Beratung ist partizipativ, d. h. sowohl Seniorinnen und Senioren als auch Beratungsanbietende werden in den Prozess eingebunden. Der Vortrag stellt das partizipative Vorgehen und die Zwischenergebnisse des Forschungsprojektes vor.

12:00 Uhr

F. Polanski
Marsilius-Kolleg, Universität Heidelberg, Heidelberg;

S313-04

Kollektive Altersbilder in Karikaturen deutscher Zeitschriften und Zeitungen und ihr Bezug zu unbewusst verinnerlichten Negativstereotypen des Alters und Stress

Hintergrund: Vorgestellt wird eine Studie, die am Marsilius-Kolleg der Universität Heidelberg durchgeführt wurde. Das Interesse der Untersuchung galt kollektiven Altersbildern, die ungeachtet des rational geführten gesellschaftlichen Altersdiskurses eher unbewusst verwendet werden und als Stressoren wirken können. Die Annahme war, dass sich diese kollektiven Bilder trotz des Wandels der Lebensphase Alter in den letzten ca. 50 Jahren kaum verändert haben und in ihnen Negativstereotype früherer Generationen fortleben. Zur Überprüfung dieser Hypothese wurden – erstmalig für den deutschen Sprachraum – Altersbilder in Karikaturen empirisch untersucht.
Material und Methoden: Es wurden über 2500 Karikaturen der 1960er Jahre und der Gegenwart mit über 8000 Figuren inhaltsanalytisch untersucht und in einem interdisziplinären Ansatz sozialwissenschaftliche Operationalisierungen von Altersstereotypen und kulturgeschichtliche Topoi zugrunde gelegt.
Ergebnisse: Junges und hohes Alter werden gleichermaßen durch defizitäre Merkmale und Negativstereotype codiert – in Karikaturen der Gegenwart z. T. signifikant häufiger als in den 1960er Jahren.
Schlussfolgerung: Kollektive Altersbilder in Pressekarikaturen haben sich in den letzten ca. 50 Jahren nicht wesentlich geändert. „Humor“ sollte als Analysematerial mehr beachtet werden. Er offenbart unbewusste, sozial unerwünschte Altersbilder, die im rational geführten gesellschaftlichen Altersdiskurs häufig nicht angesprochen werden, latent jedoch als Stressoren wirken können. Levy konnte bekanntlich nachweisen, dass negative Altersbilder sogar das Risiko für kardiale Ereignisse erhöhen können. Der Vortrag will dazu anregen, sich gerade mit kollektiven Bildern „unter der rationalen Oberfläche“ auseinanderzusetzen und mit individuellen, impliziten Altersbildern und Emotionen.