Mittwoch, 24.09.2014

11:00 - 12:30 Uhr

Melanchthonianum HS B

Vorsitz: Métrailler, Michèle Désirée (Bern(CH), Kalbermatten, Urs (Bern/CH)
Diskutant: Kalbermatten, Urs (Bern/CH)

Partnerschaft und Stress im Alter

Die meisten Personen, welche mit der Pensionierung die Schwelle zur nachberuflichen Lebensphase übertreten, tun dies an der Seite einer Partnerin bzw. eines Partners. Mit der Pensionierung erleben viele Paare eine verstärkte Nähe im Zusammenleben, und nicht nur bei kritischen Lebensereignissen, welche umfassende Anpassungsleistungen der Betroffenen erfordern, sondern auch bei alltäglichen Widrigkeiten ist die Partnerin/der Partner oftmals die erste Ansprechperson und wichtigste Unterstützungsquelle. Die subjektive Lebensqualität hängt daher nicht zuletzt von der Beziehungszufriedenheit und erlebten Unterstützung in der Partnerschaft ab. In diesem Symposium wird aufgezeigt, welche Faktoren die Beziehungszufriedenheit in langjährigen beeinflussen und welche Rolle die Partnerin oder der Partner bei der Adaption an stressreiche Situationen im Alter spielt.
Die Kehrseite der erlebten Unterstützung in funktionierenden Partnerschaften ist der Stress, welcher durch Probleme in der Paarbeziehung oder den Verlust eines langjährigen Partners ausgelöst wird: Die Scheidungsquote im Alter hat sich in den letzten Jahren stark erhöht, und auch die Verwitwung gehört zur Realität alter Menschen, welche weitreichende Auswirkungen nach sich ziehen können. Die Adaption an beziehungsbezogene kritische Lebensereignisse wie Trennung, Scheidung oder Verwitwung im Alter hängt von einer Vielzahl von psychischen und sozialen Ressourcen ab.

11:00 Uhr

M. D. Métrailler
angewandte Forschung und Entwicklung, Soziale Arbeit, Berner Fachhochschule, Bern/CH;

S301-01

Paarbeziehungen im Übergang in die Pensionierung. Herausforderungen des Übergangs

Die Pensionierung stellt für viele Paare ein wichtiger (paar-)biographischer Übergang dar. Mithilfe qualitativer Paarinterviews (N=40) vor und nach der Pensionierung werden Paare in ihrem Übergang in die Pensionierung begleitet, um Veränderungen, Herausforderungen und damit verbundene Handlungsstrategien aufzuzeigen. Die Auswirkungen der Pensionierung auf die Beziehungs- und Lebensqualität, Konflikte in Partnerschaften sowie Einflussfaktoren auf eine erfolgreiche Anpassung an die neue Lebensphase werden anhand eines schriftlichen Fragebogens bei weiteren 200 Paaren erhoben. Erste Ergebnisse der Studie zeigen, dass Paare die Herausforderungen, welche der Übergang für das partnerschaftliche Zusammenleben mit sich bringt, zu einem Grossteil richtig antizipieren.

11:20 Uhr

M. Landis
Gerontopsychologie, Psychologisches Institut, Universität Zürich, Zürich/CH;

S301-02

Dyadisches Coping und eheliche Zufriedenheit bei langjährigen, älteren Ehepaaren.

Es wurden N = 132 Paare (Durchschnittliches Alter = 68) auf den Zusammenhang zwischen Copingverhalten und Beziehungszufriedenheit untersucht. Dyadische Copingstrategien – ein Hauptindikator für funktionelle Adaptation an alltäglichen Stress im ehelichen Kontext – hingen signifikant mit der Beziehungszufriedenheit zusammen, wobei die subjektiv wahrgenommenen Copingbemühungen des Partners stärker mit der eigenen Beziehungszufriedenheit in Zusammenhang standen als die eigenen Copingbemühungen.

11:40 Uhr

B. Knöpfli; P. Perrig-Chiello
Institut für Psychologie, Universität Bern, Bern/CH;

S301-03

Späte Scheidungen: Gründe, Auswirkungen und Ressourcen

Eheliche Trennungen und Scheidungen gehören zu den häufigsten und zugleich schwierigsten biografischen Transitionen des Erwachsenenalters. In zunehmendem Masse betrifft dieses kritische Lebensereignis Personen nach langjährigen Partnerschaften. Allerdings wurde das Phänomen der späten Scheidung bis anhin kaum wissenschaftlich untersucht.
Basierend auf der Scheidung-Stress-Adaptations-Theorie nach Amato (2000) ist das Ziel dieser Präsentation, einen Einblick in die Gründe und Auswirkungen später Scheidungen zu geben und Ressourcen, welche die Adaptation an dieses kritische Lebensereignis erleichtern, näher zu beleuchten. Unsere Analysen basieren auf der Fragebogenstudie des interdisziplinären Forschungsprojekts IP12 ‚Vulnerabilität und Wachstum nach dem Verlust des Lebenspartners/der Lebenspartnerin in der zweiten Lebenshälfte’, welches im Rahmen des Schweizerischen Nationalen Forschungsschwerpunktes LIVES durchgeführt wird.
Der Fokus der vorliegenden Präsentation liegt auf 307 Personen (144 Frauen, 163 Männer) im Alter von über 60 Jahren (M = 66 Jahre), welche eine Trennung oder Scheidung nach einer langjährigen Partnerschaft (M = 25 Jahre) erlebt haben. Im Vergleich mit 351 kontinuierlich verheirateten Personen (168 Frauen, 183 Männer) der gleichen Altersgruppe, zeigen sich einschneidende Einbussen in Bezug auf psychische, soziale und finanzielle Befindlichkeits- bzw. Zufriedenheitsindikatoren. Des Weiteren zeigen die Resultate, dass grosse individuelle Unterschiede hinsichtlich der Adaptation an späte Scheidung bestehen. Frauen rapportieren geringere Werte verschiedener Adaptationsindikatoren als Männer, dies kann teilweise darauf zurückgeführt werden, dass sich Männer schneller und häufiger in einer neuen Partnerschaft befanden. Analysen mittels hierarchischer Regressionen demonstrieren ausserdem, dass das Gelingen der Adaptation von einer Vielzahl von Ressourcen abhängt, insbesondere der Persönlichkeitsvariable Resilienz sowie der emotionalen Valenz der Trennung. Resultate mit Längsschnittdaten werden ein differenzierteres Bild der Adaptation an späte Scheidung über die Zeit geben.

12:00 Uhr

S. Spahni; P. Perrig-Chiello
Institut für Psychologie, Universität Bern, Bern/CH;

S301-04

Was unterscheidet Verwitwete hinsichtlich der psychischen Adaptation an den Verlust?

Während die negativen Auswirkungen der Verwitwung auf das Wohlbefinden vielfach aufgezeigt wurden, blieben die individuellen Unterschiede und deren mögliche Ursachen noch weitgehend unerforscht. Daten einer Fragebogenstudie des Schweizerischen Nationalen Forschungsschwerpunktes LIVES zu Partnerschaften in der zweiten Lebenshälfte ermöglichen, Muster der psychischen Adaptation nach dem Verlust des Partners und ihre Unterschiede bezüglich Ressourcen und kontextuellen Faktoren aufzuzeigen. Eine explorative latente Profilanalyse basierend auf verschiedenen Indikatoren psychischer Adaptation (depressive Symptome, Hoffnungslosigkeit, Einsamkeit, Lebenszufriedenheit, subjektive Gesundheit) von 402 Verwitweten (228 Frauen, 174 Männer) zwischen 60 und 89 Jahren zeigt drei unterschiedliche Muster: Resiliente (54% der Stichprobe), Coper (39%) und Vulnerable (7%). Diese unterscheiden sich nebst ihrer Befindlichkeit insbesondere hinsichtlich verschiedener Persönlichkeitsdimensionen, der Qualität der Beziehung, dem Erleben des Verlusts und dem Vorhandensein einer neuen Partnerschaft. Die Ergebnisse weisen nicht nur auf die unterscheidende Rolle intrapersonaler Ressourcen hin, sondern charakterisiert auch jene Personen, denen die Bewältigung eines solchen Verlusts nicht zu gelingen scheint.