Mittwoch, 24.09.2014

14:15 - 15:15 Uhr

Löwengebäude HS XIV a/b

Vorsitz: Hager, Klaus (Hannover); Schütze, Sandra (Frankfurt a. M.)

Freie Beiträge 3

14:15 Uhr

K. Hager; B. Davis1
Zentrum für Medizin im Alter, Diakoniekrankenhaus Henriettenstiftung gGmbH, Hannover; 1 The Mount Sinai Medical Center, New York/USA;

S241-01

Verlängern die Cholinesterasehemmer (ChEI) das Überleben von Alzheimer-Patienten?

Einleitung: Cholinesterasehemmer (ChEI) sind zur Behandlung der leichten bis mittelschweren Alzheimer Demenz zugelassen. Neben einer Übersterblichkeit wurde auch eine Verbesserung des Überlebens publiziert.
Methoden: Die Veröffentlichungen dazu wurden unter anderem im Hinblick auf das Überleben sowie den Einfluss auf das kardiovaskuläre System gesichtet und mögliche Mechanismen diskutiert.
Resultate: Bereits in 2005 zeigte eine retrospektive Studie, dass die Einnahme von Donepezil mit einer geringeren Mortalität assoziiert war. In einer anderen retrospektiven Studie aus 2010 wiesen Patienten mit Donepezil ein geringeres Risiko auf insgesamt bzw. an kardiovaskulären Erkrankungen zu versterben. In 2013, ebenfalls in einer retrospektiven Studie, erschien die Einnahme von ChEI mit einem geringeren Risiko verbunden an einem Herzinfarkt zu erkranken bzw. zu versterben. Diese Effekte waren bei steigender Dosis des ChEI stärker ausgeprägt. Eine prospektive, randomisierte sowie plazebokontrollierte Studie bestätigte dies für die Einnahme von Galantamin. Die Einnahme von ChEI war mit einem etwa 35%iger Risikoreduktion nach einer Beobachtungszeit von 750 Tagen verbunden. Dies ist vergleichbar mit der Wirkung von Beta-Blockern, die das Risiko eines plötzlichen Herztodes und die Gesamtsterblichkeit in einem ähnlichen Ausmaß verringern.
Diskussion: ChEIs könnten die Mitteilung klinischer Symptome verbessern, so dass diese dann frühzeitiger behandelt werden können. Ein durch die ChEI ausgelöste vagale Nervenstimulation am Herzen könnte kardioprotektiv wirken. Das Überleben von Ratten mit chronischer Herzinsuffizienz oder nach einem ausgedehnten Myokardinfarkt war unter der Gabe eines ChEI verbessert. Die Hemmung der Cholinesterase kann weiterhin antiinflammatorisch wirken. Schließlich wird ein Einfluss auf die Atherogenesis bzw. ein neuroprotektiver Effekt für ChEI diskutiert. Die Überlebenskurven legen nahe, dass der prognoseverbessernde Effekt schon sehr frühzeitig nach Behandlungsbeginn zu wirken beginnt, weshalb ein Einfluss auf das Voranschreiten der Demenz wenig wahrscheinlich sein wird.
Zusammenfassung: Es bestehen einige Hinweise darauf, dass ChEI das Überleben bei Alzheimer Patienten verlängern könnten, wobei die Ursachen hierfür noch spekulativ sind.

14:30 Uhr

K. Hager; M. Kenklies
Zentrum für Medizin im Alter, Diakoniekrankenhaus Henriettenstiftung gGmbH, Hannover;

S241-02

Gedächtnissprechstunde 2013: Patienten mit geringen kognitiven Störungen überwiegen.

Hintergrund: Im Zentrum für Medizin im Alter in Hannover besteht seit 1995 eine ermächtigte Gedächtnissprechstunde für ambulante Patienten auf Zuweisung durch niedergelassene Neurologen und/oder Psychiater.
Fragestellung: Wie wirkt sich diese Konstruktion auf die Patientenstruktur aus? Methode: Dazu wurden Arztbriefe aus 2013 hinsichtlich des Alters der Patienten, einiger der Testergebnisse sowie der Einschätzung zur kognitiven Testung durchgesehen. Dabei wurde zwischen „normal/altersentsprechend“, „geringe kognitive Defizite (MCI)“ und „dementielle Entwicklung“ unterschieden. Als kognitive Parameter wurden folgende Tests durchgeführt: MWT-B, KAI, Uhrzeichentest, Zahlensymboltest, Benton-Test, SKT, SPM, MMSE und DemTect.
Resultate: Insgesamt wurden die Befundberichte von 203 Patienten analysiert. Das durchschnittliche Alter der Patienten betrug 66,2 ± 14,3 (min. 20,0, max: 88,3) Jahre. Eine normale Kognition wurde bei 14 (6,9%), geringe kognitive Defizite bei 149 (73,4%) sowie eine Demenz bei 40 (19,7%) der Patienten angenommen. In allen Testverfahren wurden im Vergleich zu nicht dementen Patienten schlechtere Werte bei kognitiver Einschränkung bzw. noch schlechtere Werte bei dementen Patienten ermittelt.
Diskussion: Aufgrund des ambulanten Settings kamen nur wenige alte bzw. schwer demente Patienten. Mittelschwere bis schwere Demenzen werden somit kaum zugewiesen, da sie von den zuweisenden Ärzten selbst adäquat behandelt werden können. Aufgrund der fachärztlichen Vorselektion handelte es sich vor allem um die Einschätzung, ob lediglich geringe kognitive Einschränkungen oder schon eine dementielle Erkrankung vorlagen. Die Fragestellung der zuweisenden Ärzte verschob sich in den zurückliegenden Jahren zunehmend hin auf die Abgrenzung von altersassoziierten kognitiven Einschränkungen einer beginnenden Demenz.
Zusammenfassung: Die Konstruktion der Gedächtnissprechstunde übt einen maßgeblichen Einfluss auf die Patientenstruktur aus. Die neuropsychologische Testung muss sich dieser Frage stellen und Tests vorhalten, die auch leichte kognitive Störungen erfassen bzw. die die Abgrenzung zum „normalen“ Altern ermöglichen. Eine Trennung aufgrund der genannten Testverfahren ist nur mit Einschränkungen möglich.

14:45 Uhr

N. Lemke; S. Gogulla; C. Werner; K. Hauer
Geriatrisches Zentrum am Klinikum der Universität Heidelberg, Agaplesion Bethanien-Krankenhaus, Heidelberg;

S241-03

Spezifisches Training verbessert trainierte und nicht-trainierte Dual-Task Leistungen bei Menschen mit Demenz

HINTERGRUND: Defizite in Dual-Task (DT) Leistungen sind frühe Marker einer Demenz, können aber durch spezifische Trainingsprogramme verbessert werden. Ziel der Studie ist bestehende positive Ergebnisse zu bestätigen und zu evaluieren ob die Trainingsfortschritte auch auf nicht-trainierte DT-Situationen transferiert werden können.
METHODIK: 10-wöchige randomisiert kontrollierte Studie mit Patienten mit Demenz (n=86). Die Interventionsgruppe (IG n=45) führt ein DT-basiertes Training (Gehen mit verschiedenen DTs). Die Kontrollgruppe (KG n=41) absolviert unspezifische Gymnastik. Die DT-Leistung wird unter 3 verschiedenen Bedingungen gemessen: Gehen&Rechnen [+2er und -3er (spezifisch trainiert)], Gehen&verbale Flüssigkeitsaufgabe (VF) [ABC und Tiere/Pflanzen aufsagen (nicht-trainiert)] und Maximalkraft der Beine&VF (nicht –trainiert). Motorische und kognitive Leistung werden als Single-Task (ST) und DTs erfasst. Die Leistungen unter DT verglichen zu der ST Leistung sind als DT-Kosten (DTK) definiert.
ERGEBNISSE: Spezifisches Training verbessert signifikant DT Leistungen bei beiden arithmetischen Aufgaben [+2: Reduktion kombinierter motorisch-kognitiver DTK (kombDTK): IG 19,42%, KG 4,34%, p=0,001; -3: Reduktion kombDTK: IG 55,96%, KG 3,24%, p=0,003] und beim Aufsagen des ABC/VF-Aufgabe in Kombination mit Gehen im Vergleich zur KG (Gehen&ABC: Reduktion kombDTK: IG 5,76%, KG -16,56%, p=0,028). Es ergaben sich keine signifikanten Effekte bei Aufgaben in Kombination mit der schwereren VF-Aufgabe (Tiere/Pflanzen). Die Analyse weiterer Probanden steht noch aus.
SCHLUSSFOLGERUNG: DT Training steigert die DT Leistung in trainierten und nicht-trainierten DT Situationen bei Menschen mit Demenz.

15:00 Uhr

I. Dutzi; M. Schwenk1; K. Hauer
Geriatrisches Zentrum am Klinikum der Universität Heidelberg, Agaplesion Bethanien-Krankenhaus, Heidelberg; 1 College of Medicine, Department of Surgery, University of Arizona, Tuscon/USA;

S241-04

Patienten mit der Begleitdiagnose Demenz in der Rehabilitation: Patientenzentrierte Planung und Bewertung von Maßnahmen

Hintergrund: Die Erfassung von individuellen Rehabilitationszielen, Präferenzen und Gesundheitsbewertungen ist eine wichtige Voraussetzung die sinnvolle Planung von Rehabilitationsmaßnahmen und deren patientenorientierter Veränderungsmessung. Rehabilitationsziele von Menschen mit Demenz werden im klinischen Alltag allerdings selten explizit und unter aktiver Beteiligung der Patienten formuliert. Inwieweit diese Patienten in der Lage sind, in diesem anspruchsvollen Bewertungsprozess mitzuwirken ist unklar. Für die geriatrische Rehabilitation existiert bislang kein etabliertes Instrument zur systematischen Erfassung.
Methode: In der vorliegenden Studie wurden bei 100 Rehabilitationspatienten mit leichter bis moderater demenzieller Erkrankung mittels eines strukturierten Fragenkatalogs (orientiert am ICF-Core Set für geriatrische Patienten in der Rehabilitation Grill et al., 2011 und dem Fragebogen zur Erfassung von Mobilität und Selbstversorgung von Farin et al., 2006) Rehabilitationsziele, Gesundheitsbewertungen und deren Veränderung erfragt. Zusätzlich wurde geprüft, inwieweit diese Bewertungen mit objektiv erhobenen Daten übereinstimmen.
Ergebnisse: Auch bei Patienten mit beginnender Demenz ist es möglich individuelle Rehabilitationsziele zu erfassen. Die meistgenannten Ziele der Patienten bezogen sich auf die Funktionsbereiche Beweglichkeit (84%), Beinkraft (82%), Gehen ohne Hilfsmittel (72%), psychische Belastbarkeit (69%). Die Selbsteinschätzungen der Patienten aus den Bereichen Motorik und ADL korrelierten signifikant mit Messdaten und Fremdbeurteilungen (bspw. HABAM - „Beweglichkeit“ r= -.43; p=0.00; Barthel Index - „Eigenständige Körperpflege“ r=.29, p=0.00. Die Ergebnisse der Befragungen können als Grundlage für partizipative Zielvereinbarungen und individuelle Festlegung von Behandlungsstrategien dienen. Zudem kann die Beurteilung des Rehabilitationserfolges durch die subjektive Veränderungswahrnehmung ergänzt werden.

Farin E, Fleitz A, Follert P (2006) Entwicklung eines ICF-orientierten Patientenfragebogens zur Erfassung von Mobilität und Selbstversorgung. Phys Med Rehab Kuror, 16, 197-211.
Grill E, Müller M, Quittan M et al. (2011) Brief ICF core set for patients in geriatric post-acute rehabilitation facilities. J Rehabil Med, 43, 139-44.