Mittwoch, 24.09.2014

14:15 - 15:15 Uhr

Audimax HS XXIII

Vorsitz: Lucke, Christoph (Isernhagen)

Freie Beiträge 2

14:15 Uhr

H. Hofmann; E. Schorro1
Fachbereich Gesundheit, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, FHS St.Gallen, St. Gallen/CH; 1 Hochschule für Gesundheit Freiburg, Freiburg/CH;

S240-01

Prävalenz und Anwendungsarten von freiheitsbeschränkenden Massnahmen bei Menschen im Pflegeheim

Ausgangslage: Freiheitsbeschränkende Massnahmen (FBM) haben eine lange Tradition als Intervention zur Sturzprävention bei älteren Menschen sowie zur Beeinflussung von Agitation und Bewegungsdrang. Die Entscheidung, FBM anzuwenden, wird beeinflusst durch die Merkmale der Bewohner/innen und des Gesundheitspersonals, die Institution an sich sowie deren Umgebung. Bei Menschen mit Demenz besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für die Anwendung von FBM. Obwohl der Gebrauch von FBM in vielen Ländern gesetzlich streng geregelt ist, liegt die Prävalenz nach wie vor auf einem hohen Niveau. In der Schweiz ist die Datenlage mangelhaft und aussagekräftige Studien werden benötigt.
Ziele: Mit dem vorliegenden Projekt werden die Häufigkeit und Art der Anwendung von FBM sowie der Einfluss von personen- und organisationsbezogenen Faktoren bei älteren Menschen in Pflegeheimen in den Kantonen Freiburg und St.Gallen (CH) untersucht.
Methodik: Im empirischen Teil des Projekts werden die FBM-Prävalenz sowie die Assoziationen mit personen- und organisationsbezogenen Merkmalen im Rahmen einer multizentrischen Querschnittstudie untersucht. Insgesamt sind 1362 Bewohner/innen aus 20 Pflegeheimen beider Kantone eingschlossen. Die Daten wurden aus der Pflegedokumentation und anhand von Interviews mit den Heimleitungen gewonnen. Die Studie wurde den Ethikkommissionen beider Kantone vorgelegt und bewilligt.
Erwartete Ergebnisse: Die Prävalenz und die Art der benutzten FBM werden derzeit analysiert und auf dem Kongress präsentiert.

entfällt

H. Zeller
Fachbereich Gesundheit, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, FHS St. Gallen, St. Gallen/CH;

S240-02

Strategien und Massnahmen von Pflegefachpersonen im Umgang mit aggressivem Verhalten von Bewohner(inne)n in Alters- und Pflegeheimen

Hintergrund
Pflegefachpersonen in Alters- und Pflegeheimen sind oft mit aggressivem Verhalten von Bewohner(inne)n konfrontiert. In diesen Situationen müssen sie häufig schnell reagieren und entscheiden, welche Massnahmen zu treffen sind. Handlungsempfehlungen beziehen sich sowohl auf Verhaltensweisen in der akuten Situation eines Aggressionsereignisses als auch auf längerfristig und präventiv orientierte Massnahmen.

Methode und Ziel
Im Rahmen einer Querschnittstudie mit 804 Teilnehmenden aus 21 Schweizer Alters- und Pflegeheimen wurden die Erfahrungen von Pflegefachpersonen und ihr Umgang mit aggressivem Verhalten von Bewohner(inne)n untersucht.

Ergebnisse
Etwa 80 % der Teilnehmenden berichteten über Aggressionsereignisse in den letzten zwölf Monaten. In der akuten Situation waren „ein beruhigendes Gespräch“, „auf Distanz gehen“ und „den Raum verlassen“ die am häufigsten angewendeten Massnahmen. Präventiv oder längerfristig ausgerichtete Massnahmen bezogen sich auf die „Suche nach den Ursachen aggressiven Verhaltens“, „Fallbesprechungen“, die „Sichtweise des Bewohners oder der Bewohnerin einnehmen“ und die „Erfassung von Aggressionsereignissen mit standardisierten Instrumenten“. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass sich Pflegefachpersonen signifikant unterscheiden in Bezug auf die Häufigkeit, mit der sie Handlungsempfehlungen für den Umgang mit aggressivem Verhalten anwenden. Merkmale, welche die Anwendung fördern, sind der Beschäftigungsgrad, die Unterstützung der Pflegefachpersonen durch Vorgesetzte sowie die Berufserfahrung.

Diskussion und Schlussfolgerungen
Im Umgang mit aggressivem Verhalten setzen die Pflegenden ein breites Spektrum an Interventionen ein, insbesondere Massnahmen zur Beruhigung der Bewohner(innen) und zur Eruierung der Ursachen aggressiven Verhaltens. Ein standardisiertes Vorgehen mithilfe von Assessmentinstrumenten erfolgt eher selten. Die Unterstützung durch Vorgesetzte, die Berufserfahrung sowie die Fähigkeit, sich in die Situation der Bewohner(innen) einzufühlen, hat einen positiven Einfluss auf den Einsatz empfohlener Massnahmen.

14:30 Uhr

M. Schneemilch; G. Heusinger von Waldegg1; T. Lichte
Institut für Allgemeinmedizin, Otto-von-Guericke-Universität, 1 Klinik für Geriatrie, Klinikum in den Pfeifferschen Stiftungen, Magdeburg;

S240-03

Pflegende Angehörige in der Hausarztpraxis

Hintergrund: Aufgrund des demografischen Wandels wird die häusliche Pflege zunehmen. Im Jahr 2040 werden von 76,8 Mio. Einwohnern Deutschlands 3,9 Mio. pflegebedürftig sein. Ein großer Teil dieser Pflegebedürftigen wird von Angehörigen versorgt werden.
Der Hausarzt ist bei der Informationssuche und als Ansprechpartner für pflegende Angehörige sehr wichtig. Welche Bedeutung die Beziehung des Hausarztes zum pflegenden Angehörigen im Bereich der häuslichen Pflege hat, ist Gegenstand der Untersuchung.
Methodik: 10 Hausärzte wurden in leitfadengestützten Interviews zu ihren Erfahrungen mit pflegenden Angehörigen befragt. Die Audiodateien wurden transkribiert und anschließend mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring codiert.
Ergebnisse: Hausärzte nehmen Pflegende Angehörige ganz unterschiedlich in ihren Eigenschaften wahr. Es gibt ganz verschieden agierende Angehörige. Der fordernde Angehörige wird eher als schwierig und belastend erachtet. Ein sich aufopfernder Angehöriger, der nicht viel verlangt wird bewundert und ihm werden mehr Zugeständnisse gemacht, es wird aber auch stillschweigend mehr von ihm verlangt und erwartet. Die Gründe der unterschiedlichen Beziehungsstruktur können in einer intakten oder gestörten Arzt-Patienten bzw. Arzt-Angehörigen Beziehung liegen, oder aber auch Ausdruck einer gestörten Beziehung zwischen Angehörigem und zu pflegendem sein.
In diese Beziehung vom Hausarzt zum pflegenden Angehörigen gesellen sich die Motivation zur Übernahme der Pflege und damit auch die Beziehung des Pflegenden zum Gepflegten. Diese sind nicht immer sofort ersichtlich, sodass der Hausarzt die Motivation und auch die Beziehung aktiv er- und auch hinterfragen muss.
Schlussfolgerungen: Diese verwobenen Beziehungsstrukturen führen zu häufigen offensichtlichen, aber auch unterschwelligen Konfliktsituationen. Diese zu erkennen und richtig zu interpretieren ist für den Hausarzt nicht immer einfach. Daher sollte im Umgang mit pflegenden Angehörigen immer das familiäre Umfeld berücksichtigt werden um mögliche Konfliktlösungen zu finden.

14:45 Uhr

A. Bilsing
Neurologie, Ambulantes Reha-Zentrum Hunsrück, Gesundheitszentrum Hunsrück, Kastellaun;

S240-04

Stressreduktion durch Achtsamkeit und Lachen im Alter

Achtsamkeit- ein vielschichtiges, häufig gebrauchtes Wort meint hier das Kultivieren eines nichtwertenden Bewusstseins im Augenblick durch strukturierte Interventionen.
In den 70iger Jahren brachte Jon Kabat- Zinn Achtsamkeitsübungen aus dem Vipassana, Zen und Hatha -Yoga in die Medizin. Sein Programm der Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) wird seitdem vermittelt und wissenschaftlich untersucht. So gibt es auch im Zusammenhang mit Alter, neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer Demenz Untersuchungen, die eine Rationale für den Einsatz auch im Alter bieten. Auch ein positiver Einfluss auf die Fatigue - Symptomatik, den Blutdruck und depressive Störungen ist beschrieben. Effekte zur Stressreduktion sind gut belegt. Ebenso strukturelle Änderungen des Gehirns ( MRT gesichert) bei M. Parkinson. sowie auf kognitive Funktionen wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis, verbale Flüssigkeit und kognitive Flexibilität sind untersucht.
Achtsamkeit im Sinne einer wertfreien Konzentration auf den Augenblick kann in vielen Formen trainiert werden. Körperliche Empfindungen eignen sich sehr gut als Beobachtungs- und Konzentrationsobjekt. Hier kann der Atem genutzt werden, die Veränderungen beim Lachen im Körper oder die Konzentration auf körperliche Empfindungen im ruhigen Sitzen oder Liegen. Ein recht neues Verfahren das den gegenwärtigen Augenblick betont ist das Lachyoga. Es wurde in den 90iger Jahren von einem indischen Arzt und seiner Frau, Madan und Madhuri Kataria entwickelt.
Es besteht aus pantomimischen Übungen, die zum Lachen führen, Atem –und Entspannungsübungen. Lachyoga bietet oft einen guten Einstieg in achtsamkeitsbasierte Verfahren. Häufig fällt es den Patienten leichter, wenn die vorangehenden Lachyogaübungen die Stimmung verbessert haben und sich ein Gruppengefühl eingestellt hat. Zur Besserung der depressiven Stimmung und zur Stressreduktion (gemessen mit dem Korrelat der Herzratenvariabilität) gibt es Untersuchungen.
Im Vortrag werden achtsamkeitsbasierte Verfahren theoretisch beleuchtet und kleine Übungen zum besseren Verständnis durchgeführt. Es werden Erfahrungen mit diesen Verfahren berichtet. Literatur auf Nachfrage bei der Verfasserin