Mittwoch, 24.09.2014

11:00 - 12:30 Uhr

Audimax HS XXIII

Vorsitz: Wirth, Rainer (Borken); Volkert, Dorothee (Nürnberg)

Dehydratation - Was sagt die Wissenschaft? Was sagt die Praxis?

11:00 Uhr

D. Volkert
Institut für Biomedizin des Alterns, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Nürnberg;

S201-01

Dehydratation – Prävalenz und Zufuhrempfehlungen

Ältere Menschen sind aufgrund ihres geringeren Durstempfindens und geringeren Körperwassergehalts anfälliger für Dehydratation als jüngere. Durch reduzierte Flüssigkeitsaufnahme, häufig in Verbindung mit vermehrten Flüssigkeitsverlusten, sind ältere Menschen daher häufiger von Wassermangel betroffen als jüngere. Genaue Angaben zur Prävalenz lassen sich aufgrund uneinheitlicher Diagnosekriterien nur schwer machen. Bei geriatrischen Patienten wurden Dehydratationszustände mit Häufigkeiten bis zu 50% beschrieben, überdurchschnittlich häufig bei mangelernährten, pflegebedürftigen, immobilen, kognitiv beeinträchtigten und schwerkranken Patienten. Untersuchungen zur Flüssigkeitsaufnahme gesunder Senioren ergaben bei 14% der über 65-jährigen und bei 27% der über 85-jährigen eine geringe Trinkmenge (<1 L/Tag).
Generell muss täglich genügend Wasser aufgenommen werden, um die permanenten Wasserverluste des Körpers wieder auszugleichen. Die Gesamtwasserzufuhr soll bei gesunden über 65-jährigen Menschen mindestens 1 ml/kcal aufgenommener Nahrungsenergie bzw. 30 ml/kg Körpergewicht und Tag betragen. Für eine ältere Standardperson werden bei durchschnittlichen Lebensbedingungen und bedarfsgerechter Energiezufuhr ca. 2 L (1990 m) am Tag veranschlagt – davon werden üblicherweise ca. 2/3 durch Getränke (1310 ml) und 1/3 aus fester Nahrung (680 ml) aufgenommen. Ein erhöhter Bedarf durch erhöhte Wasserverluste besteht bei warmen Umgebungstemperaturen, körperlicher Aktivität sowie bei diversen krankhaften Zuständen wie Fieber, Erbrechen oder Durchfall. Darüber hinaus beeinflussen auch Menge und Zusammensetzung der Nahrung den Wasserbedarf: Bei geringer Essmenge wird weniger Flüssigkeit durch Lebensmittel aufgenommen und weniger Oxidationswasser im Stoffwechsel gebildet. Bei protein- bzw. salzreicher Kost fallen vermehrt harnpflichtige Substanzen an, die zu ihrer Ausscheidung Wasser benötigen und somit den Bedarf erhöhen.
Da Wassermangel im Alter rasch zu gravierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt, muss insbesondere in Situationen mit erhöhten Verlusten bzw. erhöhtem Bedarf auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Ist die orale Zufuhr nicht in ausreichender Menge möglich, kann Flüssigkeit parenteral intravenös oder subkutan zugeführt werden.

11:20 Uhr

R. Wirth
Abteilung Geriatrie, St. Marien-Hospital Borken, Borken;

S201-02

Pathophysiologie der Dehydratation

Als Dehydratation bezeichnet man einen unphysiologisch niedrigen Wassergehalt des Organismus. Die Wasserhomöostase wird über die Aufrechterhaltung der Osmolalität und Isovolämie des intravasalen Raumes reguliert. Über Baro- und Chemosensoren vermittelt, führen Volumenmangel und eine erhöhte Serum-Osmolalität über eine ADH-Sekretion zur Antidiurese und zu Durst. Eine wesentliche Ursache für die Vulnerabilität älterer Menschen gegenüber Dehydratation, ist ein im Alter vermindertes Durstgefühl, welches im Sinne einer verringerten Osmosensitivität erklärt werden kann. Die Folgen der Dehydratation können vielfältig sein. Zunächst kommt es zur Aktivierung von entsprechenden Kompensationsmechanismen um das intravasale Volumen und damit wichtige Organfunktionen aufrecht zu erhalten. Neben einer Einschränkung der Diurese mit konsekutiver Harnkonzentration und ggf. Retention harnpflichtiger Substanzen aktiviert der Organismus weitere Kompensationsmechanismen im Sinne einer reduzierten Schweiss- und Speichelproduktion. Klinisch bedeutsam und sicher unterschätzt ist die Mobilisierung der Flüssigkeit aus dem transzellulären Raum, die als wesentliche Ursache der chronischen Obstipation im Alter anzusehen ist. Allen Formen der Dehydratation ist eigen, dass die zunehmende Schwäche der Patienten unbehandelt regelhaft zu einer weiteren Reduktion der Flüssigkeitszufuhr führt, die dann im Sinne eines Teufelskreises zu einer raschen und oft dramatischen Zunahme der Symptomatik beiträgt.

11:40 Uhr

R. Schaefer
Klinik für Geriatrie, Marienkrankenhaus, Bergisch Gladbach;

S201-03

Diagnostik der Dehydratation

Im Lexikon der Medizin ist die Exsikkose beschrieben als: „Austrocknung des Körpers bei gestörter Flüssigkeitsbilanz, meist mit Hyperosmolalität bei mangelnder Wasseraufnahme, übermäßiger Schweißabgabe ohne Kompensation, Wasserverlust durch längeres Erbrechen und Durchfälle bei infektiösen Darmerkrankungen, …“ Dies klingt einfach und logisch, nur wie wird die Exsikkose erkannt?
Die bei ihr zu beobachtenden Symptome sind vielfältig: trockene Haut / stehende Hautfalten (insbesondere über dem Sternum), trockene Mund- und Zungenschleimhaut, orthostatische Hypotonie, konzentrierter Urin, vermehrte Sturzneigung, Bewusstseinslähmung, Somnolenz, Agitiertheit, Verwirrtheit und Fieber sind nur einige, die an dieser Stelle zu nennen sind. Jedoch sind es Symptome, die auch bei vielen anderen Krankheitsbildern beobachtet werden und nicht spezifisch sind. Helfen sie uns daher bei der Diagnostik, insbesondere beim alten Menschen, weiter? Gibt es neue Erkenntnisse bei der Diagnostik der Erkrankung?
Der Vortrag wird alte und neue Daten und Studien beleuchten und dem Zuhörer den aktuellen Stand der klinischen Diagnostik der Dehydratation vermitteln.

12:00 Uhr

M. K. Modreker
Klinik für Akutgeriatrie und geriatrische Frührehabilitation, HELIOS KLiniken Schwerin, Schwerin ;

S201-04

Dehydratation - Was sagt die Wissenschaft? 4. Therapie

Primäres Therapieziel einer Dehydration ist der zielgerichtete, bilanzierte Flüssigkeitsausgleich. Je nach Schweregrad der Dehydratation und Ressourcen des Patienten muss die Entscheidung zwischen rein oraler, parenteraler sowie kombiniert oral-parenteraler Flüssigkeitsgabe gefällt werden. Dabei gilt es besonders die Compliance sowie den Allgemeinzustand des Patienten zu berücksichtigen. Unter Berücksichtigung des Elektrolytstatus sind die Präparate der parenteralen Gabe zu wählen. Die jeweiligen Behandlungswege sowie die Substratmengen werden differenziert erörtert.
Bei der parenteralen Gabe hat sich in letzter Zeit in der Geriatrie die sukutane (s.c.) Verabreichung zunehmend etabliert. Im Vergleich zur i.v.-Gabe finden sich bei der s.c. Gabe keine Unterschiede im Outcome bzgl. Klinischer Verbesserung und Laborparametern bei vergleichsweise weniger Komplikationen (z.B. Infektionen), wobei lokale Reaktionen durchaus möglich sind (Schwellungen, Rötung).
Von Demenzpatienten werden s.c.-Infusionen beispielsweise besser toleriert (z.B. weniger Unruhezustände). Vorteil der s.c.-Gabe ist zudem, dass Anlage und Wechsel durch geschulte Pflegekräfte möglich ist.
Nachteilig ist jedoch, dass die s.c.-Flüssigkeitsgabe auf eine maximale tägliche Menge von 2l beschränkt werden sollte und in Notfallsituationen (Schock etc.) nicht suffizient ist. Somit eignen sich s.c.-Infusionen zur Substitution leichter bis moderater Flüssigkeitsmängel, auch im ambulanten Bereich.
Bezüglich der oralen Therapie gilt der Focus u.a. dem in Studien nachgewiesene positive Effekt des „Anhalten zur Flüssigkeitsaufnahme“.
Aspekte der Flüssigkeitsgabe in der Palliativmedizin (Zugangswege, bewusste Restriktion, Terminalphase etc.) werden detailliert besprochen. Beachtung findet hierbei u.a. in der Terminalphase der Aspekt des „Durstgefühls“, der nicht immer mit dem Hydratationszustand korreliert und somit nicht durch Infusionen gestillt werden kann. Alternativen zur Symptomlinderung (z.B. Mundsprays) werden erläutert.
Ein Fallbeispiel soll den gesamten Themenkomplex einleiten.