Mittwoch, 24.09.2014

14:15 - 15:15 Uhr

Audimax HS XXII

Vorsitz: von Renteln-Kruse, Wolfgang (Hamburg); Bauer, Jürgen M. (Oldenburg)

Freie Beiträge 1

14:15 Uhr

W. von Renteln-Kruse; U. Dapp; J. Anders; S. Golgert
Medizinisch-Geriatrische Klinik, Zentrum für Geriatrie und Gerontologie, Albertinen-Haus gGmbH, Hamburg;

S219-01

Beginnende Frailty erkennen und pro-aktiv für präventive Interventionen nutzen - Einsichten und Perspektiven aus LUCAS* (Longitudinale Urbane Cohorten Alters Studie) in Hamburg

Die Entwicklung von Hilfs- und Pflegebedürftigkeit korrespondiert mit prozesshaft verlaufenden Verlusten funktionaler Kompetenz älter werdender Menschen. Die zentrale Frage ist, ob diese Prozesse positiv beeinflusst werden können.
Im Rahmen des Kernprojektes der Langzeitkohorte des LUCAS-Verbundes* wurde ein Marker-Set entwickelt, das sowohl Reserven als auch beginnende Frailty zu detektieren vermag. Die Langzeitbeobachtung der LUCAS-Kohorte zeigt weiter, dass sich Verluste funktionaler Kompetenz über längere Zeiträume einstellen. Die Zeit bis zur manifestierten Hilfs- und Pflegebedürftigkeit könnte und sollte pro-aktiv für präventive Interventionen genutzt werden. Der als randomisiert-kontrollierte Studie im LUCAS-Projekt eingebettete Präventionsansatz erwies sich im Follow-Up nach einem Jahr als erfolgreich bezüglich der Nutzung präventiver medizinischer Leistungen und gesundheitsfördernder Verhaltensweisen. Laufende Analysen der Langzeitkohorte (PROLONG HEALTH) sollen u.a. Aufschluss darüber geben, ob auch Langzeiteffekte nachweisbar sind.
Für bestehende und zukünftige geriatrische Versorgungs-Strukturen ist dies insofern von praktischer Bedeutung, wenn gemäß WHO-Konzeption als Feld geriatrischer Aufgaben klinisch-geriatrische Institutionen auch in den kommunalen Raum hinein wirken können und sollen. Es ergeben sich so beispielsweise praktische Bezüge zur aktuellen Diskussion um die Einrichtung geriatrischer Institutsambulanzen.

* BMBF Förderkennzeichen: 01ET0708/01ET1002A
1 Dapp U, Anders J, von Renteln-Kruse W et al. BMC Geriatrics 2012;12:35
2 Dapp U, Anders J, von Renteln-Kruse W et al. J Gerontol A Biol Sci Med Sci doi:10.1093/gerona/glr021
3 Anders J, Golgert S, von Renteln-Kruse W, Dapp U. Geriatrische Mobilitäts-Ambulanz - Erste Untersuchungen zu Machbarkeit und Behandlungsspektrum. Poster A1407/1044, DGG-Kongress, Halle.

14:30 Uhr

M. Unger; D. Thomi1; V. Ries1; J. C. Möller2; K. Fassbender; W. Oertel1
Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar; 1 Klinik für Neurologie, Standort Marburg, Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Marburg; 2 Lugano/CH;

S219-02

Die Ghrelinsekretion bei über 65jährigen und Parkinson Patienten korreliert nicht wie bei jüngeren gesunden Personen mit dem Body Mass Index

Hintergrund: Kachexie und Sarkopenie finden sich häufig bei geriatrischen Patienten und sind mit Multimorbidität und Mortalität assoziiert. Neben funktionellen Einschränkungen und Immobilität sind neuroendokrine Veränderungen als Ursache von Gewichtsverlust und Abnahme der Muskelmasse im Alter wahrscheinlich. Das Peptidhormon Ghrelin spielt eine zentrale Rolle für die Regulation von Nahrungsaufnahme (appetitstimulierende Wirkung) und Metabolismus (anabole Effekte).

Fragestellung / Methodik: Wir untersuchten die Ghrelinkonzentrationen von gesunden Kontrollpersonen und Parkinson Patienten nüchtern und im Anschluss an eine standardisierte Testmahlzeit. Der Zusammenhang zwischen nüchtern gemessener Ghrelinkonzentration und dem BMI wurde mit dem Korrelationskoeffizienten nach Pearson (PCC) bestimmt.

Ergebnisse: Die bei Gesunden nachweisbare (und auch in anderen Studien gezeigte) Korrelation zwischen Ghrelinkonzentration und dem Body Mass Index, BMI, (PCC -0.792, p 0.001) war bei den über 65jährigen nicht mehr nachweisbar (PCC -0.079, p 0.653). Bei Parkinson Patienten war der Zusammenhang zwischen Ghrelinkonzentration und BMI bereits bei den unter 65jährigen nicht mehr nachweisbar (PCC -0.339, p 0.062). Die Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve für die Ghrelinsekretion vor und nach einer standardisierten Testmahlzeit zeigte darüberhinaus bei den über 65jährigen tendenziell niedrigere Werte.

Zusammenfassung / Schlussfolgerung: Die für Appetitsteuerung und Metabolismus wichtige Ghrelinsekretion ist im Alter und auch bei Parkinson Patienten (im Gegensatz zu jüngeren gesunden Personen) nicht mehr an den BMI gekoppelt und tendenziell vermindert. Unklar bleibt, ob die veränderte Ghrelinsekretion Ursache oder Folge bestimmter alterstypischer Veränderungen ist. Eine komplexe Wechselwirkung, zwischen Immobilität, Aktivitätsniveau, Sarkopenie und neuroendokriner Sekretion erscheint plausibel. Die Verfügbarkeit von Ghrelin-Rezeptor-Agonisten als Pharmakon macht Ghrelin als potentielles Therapeutikum im Alter interessant, zumal Ghrelin auch andere im Alter häufig anzutreffende Symptome (Depression, gastrointestinale Motilitätsstörungen) günstig beeinflussen könnte.

14:45 Uhr

R. Diekmann; B. Hofner1; W. Uter1; M. Kaiser2; K. Vidal3; D. Breuille3; C. C. Sieber4; J. M. Bauer
Universitätsklinik für Geriatrie, Klinikum Oldenburg gGmbH, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg; 1 Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMBE), Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen; 2 Medizinischer Dienst der Krankenversicherung in Bayern , Nürnberg; 3 Nestlé Research Center Lausanne, Lausanne/CH; 4 Institut für Biomedizin des Alterns, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Nürnberg;

S219-03

Plasma-Aminosäure-Spiegel und ihre Beziehung zu Funktionalität und Muskelmasse bei älteren Erwachsenen

Hintergrund: Die bei älteren Erwachsenen zu beobachtende anabole Resistenz scheint zur Entstehung der Sarkopenie und Frailty wesentlich beizutragen. In diesem Kontext wird auch die Bedeutung einer verminderten Verwertung der mit der Nahrung aufgenommenen Aminosäuren (AA) diskutiert.
Ziel ist die Untersuchung der Beziehung der Plasma-AA Spiegel zur Funktionalität und Muskelmasse bei zu Hause lebenden älteren Erwachsenen jenseits des 75. Lebensjahres.
Methodik: AA-Spiegel wurden mittels Ionenaustauschchromatographie nach Nüchternblutentnahme im Plasma analysiert. Die Short Physical Performance Battery (SPPB)(max. 12 Pkt.) und die Ganggeschwindigkeit (4,5m in Sek.) wurden als Funktionsparameter bestimmt. Die Muskelmasse wurde mittels BIA bestimmt und der Skelettmuskel Masse Index (SMI) (kg)/Körpergröße (m2) berechnet. Der Korrelationskoeffizient nach Spearman wurde zur Beschreibung des Zusammenhangs von Plasma-AA-Spiegel und Funktionsparametern bzw. Muskelmasseindex herangezogen. P-Werte<0.05 (*) gelten als signifikant, p-Werte<0.001 (**) als hochsignifikant.
Ergebnisse: 182 Probanden nahmen teil, 65% (n=118) weiblich, Alter 81,8 (±4,2) Jahre und BMI 27,7 (±3,5) kg/m2 (Mittel ±SD). Die Funktionsmessungen ergaben folgende Ergebnisse (Median and IQR): SPPB 11 (9-12) Pkt., Gehgeschwindigkeit 4,0 (4,0-5,0) Sek.. Die Summe aus Cystein und Methionin war signifikant mit SPPB (-0.206**) und Ganggeschwindigkeit (0.202**) assoziiert. Die weiteren Zusammenhänge von Plasma-AA-Spiegeln und Funktionalität bzw. Muskelmasse zeigt Tabelle 1.

AA SPPB [Pkt.] Ganggeschwindigkeit [Sek.] SMI [kg/m2]
Cystin -0.232** 0.252** 0.073
Isoleucin 0.123 -0.161* 0.348**
Leucin 0.152* -0.170* 0.328**

Tabelle 1. Korrelationen zwischen Plasma-AA-Spiegeln, SPPB, Ganggeschwindigkeit and SMI.

Schlussfolgerung: Der Aminosäure-Stoffwechsel sowie insbesondere die Verfügbarkeit von Aminosäuren könnten eine wesentliche Bedeutung für die Funktionalität und Muskelmasse und somit zur Entstehung von Sarkopenie und Frailty bei älteren Erwachsener beitragen.

Sponsor: Diese Studie wurde durch Nestlé finanziell unterstützt.

15:15 Uhr

J. Putziger
Spezialpraxis für Ernährungsmedizin BDEM, Leipzig;

S219-04

Mangelernährung geriatrischer Patienten in ausgewählten Fachbereichen

Geriatrische, mangelernährte Patienten sind mittlerweile in nahezu allen Fachbereichen der Medizin anzutreffen.
Es wird dargestellt, dass die Prävalenz einer Mangelernährung mit zunehmendem Lebensalter steigt und wie viel Prozent der Patienten einiger ausgewählter Fachbereiche bereits ein Lebensalter über 65 Jahren aufweisen.
Stellen diese Patienten aber wirklich ein Problem dar?
Wie sollen diese Patienten ernährt werden?
Ist die vorgegebene Hierarchie der Ernährungstherapie noch vertretbar?
An Einzelbeispielen wird gezeigt, dass ein Umdenken im therapeutischen Ansatz stattfinden muss. Dieser Vortrag soll dazu beitragen, die Resolution der Europäischen Union aus dem Jahr 2003 weiter zu verbreiten, um Mangelernährung vehement zu bekämpfen.
Es wird erforderlich, gezielte individuelle Ernährungsregime auszuarbeiten und speziell für die high risk-Patienten in die tägliche Praxis einzuführen und umzusetzen. Dies gilt sowohl für den klinischen als auch den ambulanten Bereich.