Freitag, 26.09.2014

11:00 - 12:30 Uhr

Melanchthonianum HS XVI

Vorsitz: Otto, Ulrich (Zürich/CH)

Hilfreiche Technik

11:00 Uhr

A. Seifert
Zentrum für Gerontologie, Universität Zürich, Zürich/CH;

S414-01

Internet-Nutzung im Alter und angepasste Web- und App-Gestaltung

Fragestellung Das Internet ist für Menschen im höheren Alter potenziell ein wichtiges Instrument zur Informationsgewinnung und Kommunikation. Aber wie sieht die tatsächliche Nutzung aus und wie können Anbieter von Webinhalten den Bedürfnissen älterer Menschen entgegen kommen?

Methode Mittels einer repräsentativen telefonischen Befragung wurden in einer ersten Studie 2009 bei insgesamt 1105 Personen ab 65 Jahren in der Schweiz Informationen zur Nutzung resp. Nichtnutzung erhoben (geplante Wiederholung 2014). In einer zweiten Studie (2012) wurden anhand von Fokusgruppengesprächen (N = 36) Bedürfnisse und Wünsche zur „altersgerechten“ Webgestaltung erhoben und in Handlungsempfehlungen innerhalb einer öffentlich zugänglichen Broschüre (www.ageweb.ch) ausformuliert. In einer dritten Studie wurden nun mit einem ähnlichen Ansatz (N= 10) die Bedürfnisse hinsichtlich einer „guten“ und brauchbaren Gestaltung von Apps (Applikationen auf dem Smartphone) erhoben.

Ergebnisse Die starke Altersabhängigkeit der Nutzung bestätigt sich in der ersten repräsentativen Studie. Neben den soziodemografischen Merkmalen Alter, Bildung und Einkommen sind es vor allem die persönlichen Einstellungen zur Technik und zum Internet, der proximale Nutzen, sowie das Zuraten zum Internet aus dem sozialen Umfeld, die eine Nutzung des Internets begünstigen. Anhand der Ergebnisse der zweiten und dritten Studie kann zusätzlich aufgezeigt werden, dass ältere Menschen bestimmte Bedürfnisse und Wünsche an die Web- und App-Gestaltung äussern. Eine ausschliessliche Deklaration „für alte Menschen“ sollte jedoch vermieden werden; von erleichterten Zugängen profitieren viele.

Schlussfolgerungen Die repräsentative Befragungsstudie und die Fokusgruppengespräche zeigen Chancen und Barrieren der Internet-Nutzung im Alter auf und geben Hinweise auf Massnahmen, die geeignet sind, die potenzielle „digitale Ausgrenzung“ älterer Menschen zu überwinden.

11:20 Uhr

H. Schweigert; B. Sellemann
Institut für Medizinische Informatik, Universitätsmedizin Göttingen, Göttingen;

S414-02

„Unterstützung lokaler kooperativer Sozialmodelle im ländlichen Raum durch pflegerisch-technische Assistenzsysteme“ (KoopAS) – Ein Chance für ältere Menschen?

Einleitung Das BMBF geförderte Projekt KoopAS (Förderkennzeichen: V4PFL017) verfolgt das Ziel, die Selbstbestimmung und soziale Teilhabe älterer Bürger in der ländlichen Gemeinde Amtzell durch Vernetzung regionaler Akteure mit Hilfe einer Kommunikations- und Informationsplattform sicherzustellen, indem das regionale Angebot an Dienstleistungen und Informationen auf einem mobilen Endgerät bereitgestellt werden. Welche Chancen und Herausforderungen kann diese Technik für das Alter aus Sicht des Nutzers mit sich bringen?
Methodik
In KoopAS wird ein partizipativer Entwicklungsansatz verfolgt (Schweigert et al. 2014). Für die Beantwortung offener nutzerspezifischen Fragen zu „Betreuung & Pflege“, „Einkaufszettel“ und „Bezahldienst“ wurden Betreiber-, Nutzer- und Angehörigen-Workshops in Amtzell durchgeführt.
Ergebnisse
Im Rahmen des Angehörigen-Workshops wurde die Nutzenbewertung der Technik und ihre Chancen für einen Unterstützungsbedürftigen diskutiert. Hinsichtlich der Nutzenbewertung des digitalen Einkaufszettels hat sich gezeigt, dass ein positiver Nutzen erwartet wird, wenn die Angehörigen des älteren Menschen nicht in der näheren Umgebung wohnen oder wenn der Senior keine Angehörigen mehr hat. Kein Nutzen in der Verwendung eines digitalen Einkaufszettels wird gesehen, wenn die Angehörigen im näheren Umfeld wohnen und der Senior Unterstützung von ihr erhält. Die Technik wird insbesondere als Option bei der Entlastung von Angehörigen wahrgenommen. Dagegen wurden von den Teilnehmern die gesellschaftliche Teilhabe und Isolation bzw. Vereinsamung im Alter kontrovers diskutiert.
Schlussfolgerungen
Insgesamt wurden aus den Workshops eine positive Haltung gegenüber dem Technikeinsatz und ein großes Potenzial in der Technikentwicklung ersichtlich. Neben den Chancen wurden auch Herausforderungen benannt. Daraus bildeten sich neue unterschiedliche Anforderungen und Aufgaben heraus, die in dem Entwicklungsprozess der Kommunikations- und Informationsplattform berücksichtigt werden müssen, um dem Bedarf der Nutzer gerecht werden zu können.

11:40 Uhr

A. Zirk; E. Schulze
Berlin;

S414-03

PIA – Technischer Assistent im Alltag: Entlastung der Pflegenden, Erhöhung der Unabhängigkeit der Älteren

Einleitung: Das Projekt PIA (Personal IADL Assistant) konzentriert sich darauf, die Alltagskompetenz älterer Men-schen (mit und ohne kognitive Beeinträchtigungen) zu unterstützen und Angehörige und Pflegende zu entlasten. Dazu soll eine APP entwickelt werden, die es ermöglicht, Videoanleitungen zur Ausführung von Alltagsaufgaben oder zur Bedienung von Haushaltstechnologien durch einfache Interaktion abzuspielen. Die Anleitungen werden von Bezugspersonen produziert und über einen Tablet-PC im Haushalt der Nutzer über die PIA-APP zugänglich gemacht.
Methode: Um die PIA-Idee vorzustellen, eine erste Mock-up Version zu evaluieren und potentielle Probleme zu erfas-sen wurden Fokusgruppen mit 30 älteren Menschen (50+ Jahre) sowie 16 formellen und informellen Pflegern durchge-führt (zwischen 30 und 70 Jahren).
Ergebnisse: Die Teilnehmer waren sich einig, dass vor allem ältere Personen von PIA profitieren und so womöglich Pflegende entlastet werden können. Mögliche Probleme, die den Nutzen von PIA beinträchtigen könnten beziehen u.a. sich auf die Qualität und Verfügbarkeit der Videos. Zudem gilt es technische Barrieren zu überwinden, um tatsächlich von PIA profitieren zu können. Im Großen und Ganzen wird PIA als Chance gesehen, ein selbständiges Leben so lang wie möglich aufrecht zu erhalten. Vor allem ältere Menschen und Personen mit leichter Demenz sollen davon profitieren.
Schlussfolgerung: Um PIA so hilfreich wie möglich zu gestalten muss es einfach zu nutzen sein und sollte so wenig wie möglich Ansprüche an das technische Vorwissen des potentiellen Nutzers stellen. Zudem muss PIA ein Gefühl von Sicherheit vermitteln, indem es zuverlässig funktioniert und zur Verfügung stehende Inhalte einfach abrufbar und von guter Qualität sind.

entfällt

T. Beer; H. Bleses1; S. Ziegler1
Gesundheit, FHS St. Gallen, St. Gallen/CH; 1 Fachbereich Pflege und Gesundheit, Hochschule Fulda, Fulda;

S414-04

Personen mit Demenz und robotische Assistenzsysteme - Robotische Assistenzsysteme in der emotionsorientierten Pflege und Betreuung

Die Diskussion um robotische Assistenzsysteme in der Pflege fokussiert vorzugsweise Service-Roboter, die Routineverrichtungen jenseits der direkten Pflegetätigkeit am Menschen übernehmen. Eher beiläufig findet sich in Beschreibungen der Hinweis, dass diese auch Unterhaltungsfunktionen für Personen mit Demenz übernehmen können.
Fragestellung
Das Projekt „Emotionen stimulierende Assistenzroboter in der Pflege und Betreuung dementiell erkrankter Menschen in der stationären Langzeitpflege“ beschäftigt sich mit der Erkundung des Einsatzes robotischer Assistenzsysteme als Unterstützung in der emotionsorientierten Pflege und Betreuung von Personen mit Demenz in unterschiedlichen Demenzphasen. Dabei soll eruiert werden, ob und wie robotische Assistenzsysteme, die (auch) Emotionen s(t)imulieren (können)sollen), von Menschen mit einer Demenz akzeptiert, wahrgenommen und genutzt werden und welche Implikationen sich daraus für die Pflege ergeben. Eine wesentliche Frage des Projektes, ist, inwiefern von einer sozialen Interaktion zwischen den Menschen mit Demenz und robotischen Assistenzsystemen ausgegangen werden kann und – falls ja – wie sich eine solche Interaktion darstellt.
Methode
Das interdisziplinäre Projekt ist als ein ‚qualitativer Feldversuch‘ angelegt und rekurriert auf eine methodenplural arbeitende Ethnografie (Beobachtungen, Interviews, Videografie). Die Interpretation der unterschiedlichen Daten erfolgt mit Hilfe hermeneutischer Verfahren.
Ergebnis
Anhand von (Vor-) Überlegungen und erster empirischer Befunde soll dargelegt werden, wie soziale Interaktionen zwischen Menschen mit Demenz und robotischen Assistenzsystemen sichtbar (gemacht) werden (können) und welche methodischen Zugänge dabei hilfreich sein können. Dabei geht es insbesondere auch darum auf der Basis des aktuellen Forschungsstands zu reflektieren, inwiefern es mit dem vorhandenen Repertoire methodischer Zugänge gelingen kann, soziale Handlungsmuster in dieser sehr speziellen Konstellation zu erkennen und auf systematische Art und Weise zugänglich zu machen.