Freitag, 26.09.2014

17:00 - 18:30 Uhr

Melanchthonianum HS B

Vorsitz: Kwetkat, Anja (Jena)
Diskutanten: Hagel, Stefan (Jena)

Infektionen in der Geriatrie

Die Immunseneszenz führt zu einer Zunahme von Infektionen mit steigendem Alter und wird damit vor allem auch in der Versorgung geriatrischer Patienten immer bedeutsamer. Dabei stellen uns sowohl impfpräventable Erkrankungen als auch nosokomiale Infekte vor immer neue Herausforderungen:
So zeigt der erste Vortrag die Charakteristika von Senioren mit und ohne Grippeimpfschutz auf vor dem Hintergrund der immer noch unzureichenden Nutzung dieser primär präventiven Maßnahme. Bei den nosokomialen Infektionen spielen neben Harn- und Atemwegsinfekten Infektionen mit Clostridium difficile eine immer größere Rolle. Daher widmen sich zwei Vorträge diesem Erreger, einmal aus der mikrobiologischen Perpektive, zum anderen aus dem klinischen Blickwinkel. Ein anderes Problemfeld ist die Zunahme multiresistenter Erreger. Auch diesem Aspekt ist ein eigener Vortrag gewidmet.
Der letzte Vortrag befasst sich mit dem Antibiotic Stewardship als Maßnahme zur Prävention der Resistenzentwicklung und der Infektionen mit Clostridium difficile.

17:00 Uhr

U. Thiem; A. Kwetkat1; B. Krause; L. Pientka
Klinik für Altersmedizin u. Frührehabilitation, Marienhospital Herne, Ruhr-Universität Bochum, Herne; 1 Klinik für Geriatrie, Universitätsklinikum, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Jena;

S220-01

Charakteristika von Senioren mit und ohne Grippeschutzimpfung

Einleitung:
Daten zum Vorhandensein eines Grippeimpfschutzes sind für die öffentliche Gesundheitsversorgung relevant. Wenig ist bekannt über Faktoren, die bei betagten Senioren mit dem Vorhandenseindes Grippeimpfschutzes in Zusammenhang stehen.

Material & Methoden:
Ausgewertet wurden Daten eines Projekts zur integrierten Versorgung in der Stadt Herne von Senioren im Alter von ≥ 75 Jahren, die zwischen 2008 und 2010 ins Projekt eingeschrieben wurden. Neben soziodemografischen Daten wurden u. a. erfasst: funktioneller Zustand, Begleiterkrankungen, Lebensqualität, soziale Versorgung und Status einer Grippeimpfung nach Selbstauskunft für die aktuelle Grippesaison. Der Zusammenhang zwischen Charakteristika der Teilnehmer und dem Grippeimpfstatus wurde univariat und multivariat mittels logistischer Regression untersucht.

Ergebnisse:
Das Durchschnittsalter der 1.313 auswertbaren Teilnehmer betrug 81,4 Jahren (+/- 4,7 Jahre, Median: 80,7), 61,9% waren Frauen. 85,5% wohnten in einem privaten Haushalt, 23,0% hatten zu Projektbeginn eine Pflegestufe. Insgesamt 357 Personen (27,2%) gaben an, innerhalb des zurückliegenden Jahres nicht gegen Influenza geimpft worden zu sein. Bei 633 vor Mitte 2009, dem Jahr der H1N1-Influenza-Pandemie, rekrutierten Personen lag dieser Anteil bei 25,4%, bei 680 danach rekrutierten Personen bei 28,8% (Unterschied nicht signifikant, p<0,05). Unterschiede zwischen geimpften und nicht geimpften Personen waren insgesamt gering. Gemessen an Aktivitäten des täglichen Lebens waren Personen mit leichtgradiger Einschränkung etwas häufiger gegen Grippe geimpft als Personen ohne oder Personen mit fortgeschrittener Einschränkung. Ein ähnliches Phänomen zeigte sich in Bezug auf die Komorbidität. Stärkster Prädiktor für eine Impfung war die Einnahme von ≥ 5 Medikamenten. In multivariater Analyse war das Leben im privaten Haushalt mit einer deutlich höheren Chance, nicht geimpft zu sein, verbunden (Odds Ratio: 1,50), während eine Medikamentenzahl ≥ 5 protektiv mit der Grippeimpfung verbunden ist (Odds Ratio für Nicht-Impfung: 0,63).

Schlussfolgerung:
Die Medikamentenanzahl als mutmaßlicher Indikator für vermehrte Kontakte zum Hausarzt zeigte die stärkste Assoziation zur Grippeimpfung bei den hier untersuchten Senioren.

17:20 Uhr

B. A. Grabein
am Klinikum, Stabsstelle Klinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Ludwig-Maximilians-Universität München, München;

S220-02

Clostridium difficile und Alter

17:40 Uhr

A. Kwetkat; T. Lehmann1; A. Wittrich2; U. Thiem3
Klinik für Geriatrie, Universitätsklinikum, 1 Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Dokumentation, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Jena; 2 Bundesverband Geriatrie e. V. , Berlin; 3 Klinik für Altersmedizin u. Frührehabilitation, Marienhospital Herne, Ruhr-Universität Bochum, Herne;

S220-03

Clostridium difficile Infektion, Mortalität und funktioneller Status: eine Analyse von Daten deutscher Akutgeriatrien aus der Datenbank Gemidas Pro

Hintergrund: Infektionen mit Clostridium difficile sind ein zunehmend häufigeres Problem bei geriatrischen Patienten. Der Einfluss auf Funktionszustand und Überleben ist schlecht untersucht.

Fragestellung: Welchen Zusammenhang gibt es zwischen einer Clostridium difficile Infektion (CdI) und funktionellem Status und Mortalität bei akutstationär behandelten, geriatrischen Patienten?

Material / Methoden: In der bundesweiten Datenbank Gemidas Pro wurden Fälle mit Kodierung einer CdI nach ICD hinsichtlich Alter, Geschlecht, Morbidität, Verweildauer, geriatrischer Komplexbehandlung nach OPS 8-550 und Ziel-Parametern wie Barthel-Index, Mobilität und Mortalität verglichen mit Fällen ohne kodierte CdI. Berücksichtigt wurden die Daten aus 85 akutstationären geriatrischen Einrichtungen für den Zeitraum 01/2006 – 12/2009.

Ergebnisse: In insgesamt 4.194 von 119.607 Fällen (3,5%) wurde eine CdI kodiert, in 300 Fällen als Haupt-, in 3.894 Fällen als Nebendiagnose. Patienten mit CdI waren signifikant älter (83,1 versus 82,6 Jahre, p<0,001) und morbider (Anzahl erkrankter Organsysteme nach Cumulative Illness Rating Scale 6,1 vs. 4,5, p<0,001, Charlson Comorbidity Index 2,3 vs. 2,0, p<0,001). Patienten mit CdI waren bei Aufnahme funktionell schlechter (mittlerer Punktwert im Barthel-Index 29,6 vs. 41,4, p<0,001; Anteil Immobiler 69,7% vs. 51%, p<0,001), und die Verweildauer war deutlich länger (24,8 Tage vs. 19,2 Tage, p<0.001). Zudem zeigte sich bei Patienten mit CdI eine mit 7,3% doppelt so hohe Mortalität im Vergleich zu Patienten ohne CdI (3,5%, p<0,001). Die überlebenden CdI-Patienten blieben zu einem signifikant höheren Anteil immobil (46,8% vs. 26,9%, p<0,001), erreichten eine signifikant und relevant geringere Verbesserung im Barthel-Index (mittlerer Punktzugewinn 12,5 vs. 17,3 Punkte, p<0,001) bei einem signifikant höheren Anteil an OPS 8-550.2 Kodierung (43,5% vs. 29,2%, p<0,001).

Schlussfolgerung: CdI ist eine relevante Komplikation im Behandlungsverlauf geriatrischer Patienten. Wegen ihrer erheblichen Auswirkungen auf Funktion und Überleben gilt es, die Bemühungen zur Prävention der CdI auszubauen und zu verbessern.

18:00 Uhr

S. Hagel
Zentrum für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene, Universitätsklinikum Jena, Jena;

S220-04

Antibiotic Stewardship

Der globalen Ausbreitung bakterieller Resistenzen steht eine von Jahr zu Jahr abnehmende Anzahl neuer antiinfektiver Substanzen gegenüber. So dauert die Entwicklung eines neuen Antibiotikums "from bench to bedside" 8-10 Jahre und die gleichzeitige Dynamik der Resistenzausbreitung lässt befürchten, dass in absehbarer Zeit die Wirksamkeit und die Anzahl der dem behandelnden Arzt zur Verfügung stehenden Antibiotika deutlich eingeschränkt sein werden. Während in den 1990iger Jahren MRSA als größte Herausforderung angesehen wurde, sind es mittlerweile multiresistente Gram-negative Bakterien und VRE, bei denen unsere therapeutischen Möglichkeiten begrenzt sind. Diese Situation macht mehr denn je eine umsichtige, kontrollierte und angemessene Antiinfektiva-Anwendung in allen Bereichen der Medizin notwendig. In Deutschland kommt dieser Empfehlung durch eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes im Juli 2011 zusätzlich besondere Bedeutung zu. AntiBiotic Stewardship (ABS) - Programme sollen und können in Kombination mit Maßnahmen und Programmen zur Infektionsprävention diese Aufgaben übernehmen. ABS-Programme im Krankenhaus haben das Ziel, die Qualität der Verordnung von Antiinfektiva bzgl. Auswahl der Substanzen, Dosierung, Applikation und Anwendungsdauer kontinuierlich zu verbessern, um beste klinische Behandlungsergebnisse unter Beachtung einer Minimierung von Toxizität für den Patienten sowie von Resistenzentwicklung und Kosten zu erreichen. Einen wichtigen Schritt bei der flächendeckenden Implementierung ist die Veröffentlichung der AWMF S3-Leitlinie „Strategien zur Sicherung rationaler Antibiotika-Anwendung im Krankenhaus“ im Jahr 2013, die Voraussetzungen und wichtige Komponenten von ABS-Programmen im Krankenhaus beschreibt, mit denen die oben genannten Ziele erreicht werden können.