Freitag, 26.09.2014

17:00 - 18:30 Uhr

Melanchthonianum HS XV

Vorsitz: Gosch, Markus (Nürnberg)

Polypharmazie - klinische Fälle

Ausrichter diese Symposiums ist die AG Polypharmazie und Pharmakotherapie im Alter der ÖGGG. An Hand von 6 klinischen Fällen sollen die zugrunde liegenden pharmakologischen und pathopysiologischen Grundlagen dargestellt und diskutiert werden.

17:00 Uhr

P. Dovjak
Akutgeriatrie, Salzkammergutklinikum Gmunden, Gmunden/A;

S204-01

Inappetenz bei einer hochbetagten Dame

entfällt

B. Iglseder
Universitätsklinik für Geriatrie , Christian-Doppler-Klinik, Gemeinnützige Salzburger Landeskliniken Betriebsgesellschaft mbH, Salzburg/A;

S204-02

Hypoaktives Delir, Meningoenzephalitis, oder…?

17:20 Uhr

M. Gosch
Med. Klinik 2 - Geriatrie, Klinikum Nord, Nürnberg;

S204-03

Eine kardiale Dekompensation – überraschend?

17:40 Uhr

E. Mann; B. Haastert1; T. Frühwald2; R. Sauermann3; M. Hinteregger3; D. Hölzl3; S. Keuerleber3; M. Scheuringer3; G. Meyer4
Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin, Paracelsus Medizinische Privatuniversität , Salzburg/A; 1 mediStatistica, Neuenrade; 2 Abteilung für Akutgeriatrie, Krankenhaus Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügel, 3 Abteilung Vertragspartner Medikamente, Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, Wien/A; 4 Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Fakultät für Medizin, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Halle (Saale);

S204-04

Potentiell inadäquate Medikation bei älteren Personen in Österreich: ein bundesweite Prävalenzstudie

Hintergrund
Potentiell inadäquate Medikation (PIM) ist assoziiert mit einem Anstieg von unerwünschten Arzneimittelereignissen, Spitalseinweisungen und Kosten.
Studienfrage
Bundesweite Erhebung der Prävalenz von PIM bei allen Personen im Alter von 70 Jahren in Österreich.
Methodik
Wir haben die Medikamentenverordnungen aller Versicherten im Alter von > 70 Jahren analysiert, die von den insgesamt 19 gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2012 zur Abrechnung gelangten. Medikamentenverordnungen mit einem Preis von = € 5.15 konnten nur dann in die Analyse einbezogen werden, wenn die Versicherten entweder dauerhaft oder zeitweise von der Rezeptgebühr befreit waren.
Die Beurteilung der potentiellen Unangemessenheit eines Medikamentes erfolgte anhand der 2012 publizierten österreichischen PIM Liste.
Ergebnisse
Insgesamt erhielten 52,4% aller 1.123.832 Versicherten im Jahr 2012 mindestens eine von der Versicherung rückerstattete PIM Verordnung. Die Verordnungsrate war bei Frauen (56,9%) signifikant höher als bei Männern (45,8%). Die drei Medikamentenkategorien, aus denen am häufigsten PIMs verordnet wurden, waren NSAR (28,9%), Vasodilatatoren (16,0%) und psychotrope Medikamente (12,5%). Die drei am häufigsten verordneten Einzelsubstanzen waren Diclofenac (18,3%), Ginkgo biloba (12,5%) und Tramadol (8,9%). Bei Versicherten, die von der Rezeptgebühr dauerhaft oder zeitweise befreit waren und bei denen somit auch Medikamente mit einem Preis unter der Rezeptgebühr erfasst werden konnten, lagen psychotrope PIMs in der Verordnungsprävalenz mit 33,3% und 28,3% an erster Stelle.
Schlussfolgerungen
In Österreich sollten bundesweite Anstrengungen unternommen werden, bei älteren Menschen die Verordnungsprävalenz von potentiell unangemessenen Medikamenten, besonders von potentiell unangemessenen psychotropen Medikamenten, zu senken.

18:15 Uhr

N. R. Rumpel1,2; M. Sinz3; S. Marrakchi3; P. P. Urban3; K. Wohlfarth1,2
1 Semmelweis Universität, Asklepios Campus Hamburg;  2 BG-Kliniken Bergmannstrost, Halle (Saale);  3 Asklepios Klinik Barmbek, Hamburg

S204-05

Kritische Analyse des therapeutischen Einsatzes von anticholinerg wirksamen Medikamenten und deren Auswirkungen auf die Häufigkeit von Halluzinationen bei Patienten mit einer Demenz

Fragestellung: Multimorbidität und Polypharmazie sind zwei eng miteinander verknüpfte Problemfelder. Die Polypharmazie geht im klinischen Alltag mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten von unerwünschten Arzneimittelwirkungen und -interaktionen einher. (PRISCUS-Liste, 2010) Der Einsatz von Medikamenten mit anticholinergen Effekten beeinflusst das klinische Bild von Patienten mit Demenz in besonderem Maße.

Methoden: In einer anonymen retrospektiven Datenanalyse in einer Klinik in Hamburg wurden in den Jahren 2010 und 2011 insgesamt 2467 Patienten mit einer Demenz identifiziert. Die Höhe der durch Medikamente hervorgerufenen anticholinergen Belastung zum Aufnahmezeitpunkt in die Klinik wurde anhand einer modifizierten Skala der „Anticholinergic Drug Scale“ (ADS) bestimmt. (Carnahan et al., 2006) Als unerwünschte anticholinerge Ereignisse wurden visuelle und/oder akustische Halluzinationen zum Zeitpunkt der Aufnahme in die Klinik oder innerhalb der vorausgegangenen vier Wochen definiert.

Ergebnisse: Nur 27,4% der Patientenfälle (n = 677) wurden in der Hauptabteilung für Neurologie behandelt. Vaskuläre Demenzen waren hierbei mit 27,6 % am häufigsten vertreten. In mehr als zwei Drittel der Fälle nahmen die Patienten mindestens ein anticholinerg wirksames Medikament ein. Nahezu ein Drittel der insgesamt 677 Patienten wurden im Rahmen ihrer Demenz mit einem Acetylcholinesterase-Inhibitor behandelt. 60% von ihnen erhielten gleichzeitig mindestens ein Medikament mit anticholinergem Wirkpotenzial. 75% der Patienten, die einem hohen anticholinergen Potenzial ausgesetzt waren, berichteten über das Auftreten von Halluzinationen. Je niedriger das anticholinerge Potenzial war, desto seltener kamen Halluzinationen vor.

Schlussfolgerungen: Trotz des Wissens über den Pathomechanismus der Entstehung von Demenzen und der sich hieraus ergebenden Nebenwirkungen werden bei dementen Patienten im klinischen Alltag zu häufig anticholinerg wirksame Medikamente eingesetzt.