Donnerstag, 25.09.2014

08:00 - 09:30 Uhr

Melanchthonianum HS XVI

Vorsitz: Kümpers, Susanne (Fulda)

Wohnen im Alter – Was gibt es Neues?

entfällt

U. Otto; G. Steffen1; P. Klein1; L. Abele1
Careum Forschung, Gesundheit, Kaleidos Fachhochschule, Zürich/CH; 1 Institut für Stadtplanung und Sozialforschung, Weeber+Partner, Stuttgart;

S416-01

Älter werden in München. Eine Studie in fünf Siedlungstypen

AUSGANGSLAGE: Die Bev.-prognosen sprechen für sich. München ist von Zuzug geprägt. Die Zahl der Hochbetagten (75+) wird bis 2030 um 40% auf 140.000 steigen. Die zukünftigen Altersgenerationen werden sich von den heutigen stark unterscheiden:
• hinsichtlich der Lebensstile und -lagen,
• der Familienstrukturen,
• des Mobilitäts- und Freizeitverhaltens
• der zunehmenden Heterogenisierung der Bevölkerung durch internat. Zuwanderung.
FOKUS: Die Studie untersucht die vielfältigen Facetten großstädtischen Älterwerdens und die dabei entstehenden Bedürfnisse an den Stadtraum, das Wohnen und das soziale Umfeld in München. Sie berücksichtigt ebenso die Herausforderungen der besonders hohen Entwicklungsdynamik mit ihrem mehrdimensionalen Verdrängungswettbewerb (bspw. auf dem Wohnungsmarkt) wie die sprichwörtl. Münchner Lebensqualität und -art. Im Mittelpunkt stehen die Wünsche und Vorstellungen der heute 55-64-Jährigen. Ziel sind konkrete Vorschläge für die Ausgestaltung der Lebenswelten der zukünftigen Älteren. Dabei sind auch neue Lösungsansätze gesucht, die für andere Gemeinden von Nutzen sein können.
STICHPROBE/METHODEN: Neben den „Babyboomern“ sollen zum Vergleich die 65-75-Jährigen einbezogen werden. Kernstück ist eine standardisierte Befragung mit rund 10.000 Fragebögen. Die Ergebnisse werden mit Sekundärdaten aus einschlägigen Münchner Befragungen/ Statistiken gespiegelt. Ausserdem werden qualitative Interview-Verfahren u.a. mit Blick auf schlechter erreichbare Teilgruppen eingesetzt. Zugleich werden sie i.S. des beteiligungsorientierten Studiendesigns genutzt.
SPEZIFISCH FÜR DIE STUDIE IST
• die sozialräumliche Anlage mit Fokus auf 10 Stadtteile in 5 untersch. Quartierstypen,
• das Mehrmethodendesign mit zugleich aktivierenden Elementen,
• die Zentrierung auf die Babyboomer-Generation, verbunden mit der
• prospektiven Fragerichtung: wie können wir uns heute darauf vorbereiten, dass diese ressourcenreiche Gruppe deutlich anders altern wird und ihr Altern gestalten möchte als bisherige Kohorten?
AUFTRAGGEBER der Studie ist die LHS München zus. mit der Obersten bayr. Baubehörde. Im Forschungsteam kooperiert das Institut Weeber+Partner (Stgt) mit dem Kompetenzzentrum Generationen der FHS St. Gallen.
DER VORTRAG präsentiert erste Auswertungen der Studie.

08:00 Uhr

S. Kümpers; B. Wolter1
Fachbereich Pflege und Gesundheit, Hochschule Fulda, Fulda; $1 Institut für gerontologische Forschung e. V., Berlin;

S416-02

Soziale Teilhabe in innovativen Pflege-Wohnformen

Soziale Teilhabe im Alter – verstanden als Teilhabe und Mitgestaltung im Alltag gemeinsam mit anderen Menschen – ist hochrelevant für die Aufrechterhaltung von Alltagskompetenz und psychischer und physischer Gesundheit, für die Prävention von Einsamkeit und Isolation und für die Aufrechterhaltung von Aktivität.
Dienstleistungen der Altenhilfe, die soziale Teilhabe ermöglichen sollen und solche der Altenpflege funktionieren in Deutschland vielerorts voneinander getrennt; Altenpflege im Rahmen der Pflegeversicherung im derzeitigen Zuschnitt kann oft nur wenig zur Aufrechterhaltung sozialer Teilhabe beitragen. Pflegeheime sind häufig von der sie umgebenden Gemeinde isoliert. Ambulant wie stationär ist daher das Risiko für fehlende soziale Teilhabe bei pflegebedürftigen Menschen in Deutschland hoch.
Derzeit wird über neue Formen des Wohnen und der Organisation von Pflege nachgedacht: generationenübergreifendes Wohnen, verschiedene Formen betreuten Wohnens, Seniorenwohngemeinschaften, Demenz-WGs, gruppenbezogen konzipierte Pflegeheime etc. entstehen, stellen aber einstweilen noch Nischenangebote dar. Diese Angebote beanspruchen ein umfassenderes Verständnis von Lebensqualität als herkömmliche Pflegeheime zu realisieren. Der Beitrag unternimmt eine kurze konzeptionelle Klärung des Konzepts der sozialen Teilhabe und stellt den Stand des Wissens zu den Zusammenhängen von Teilhabe und Gesundheit und Lebensqualität im Alter dar. Auf der Basis einer noch andauernden Literatur- und Dokumentenanalyse werden im Anschluss die Potentiale zur Aufrechterhaltung sozialer Teilhabe in verschiedenen Pflege-Wohnmodellen dargestellt. Der Beitrag analysiert die – architektonischen und städtebaulichen, konzeptionellen, professionellen und organisatorischen sowie zivilgesellschaftlichen und kommunalpolitischen – Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren für befriedigende soziale Teilhabe von pflegebedürftigen älteren Männern und Frauen. Auf der Basis der Untersuchung werden Empfehlungen für die Konzeption und Entwicklung innovativer Pflege-Wohnformen entwickelt.

08:40 Uhr

A. Depner
Institut für Gerontologie, Universität Heidelberg, Heidelberg;

S416-03

Selbstbestimmte Umzüge im hohen Alter: Eine identitätsbezogene Stresssituation mit ambivalenten Potential

Umzüge im hohen Alter sind kein neues Forschungsthema und wurden vielfach aus der Sicht ungewollter Aufgabe von Selbständigkeit thematisiert. Aber auch wenn ältere Menschen einen Umzug (z.B. in ein Heim) zu einem Zeitpunkt vollziehen, zu dem sie in der Lage sind, ihn selbstbestimmt mitzugestalten, ist dieser Übergang nicht einfach. Einerseits bewahren sie so in der Regel langfristig ihre Autonomie, andererseits stehen sie gleichzeitig vor einer großen Herausforderung: Es gilt, sämtlichen im Haushalt befindlichen Objekten zu begegnen und sich von vielen dieser Dinge zu trennen. Manche sind mit persönlichkeitskonstituierenden Erinnerungen Verbunden, andere verweisen auf bereits verstoreben Familienmitglieder, wieder andere sind alltägliches Zeug in den Augen ihrer Besitzer. Je größer der Unterschied der Wohnflächen zwischen altem und neuem Wohnort, desto mehr persönlicher Objekte müssen aussortiert werden. Diese werden in unterschiedlichster Form weitergegeben oder, obwohl weitestgehend noch brauchbar, zu Müll.

Basierend auf den Befunden meiner Dissertationsarbeit, in der aus verschiedenen Disziplinen dieser Prozess konzeptuell beschrieben und dann empirisch anhand von sechs Umzügen qualitativ begleitet wurde, werden im hier vorgeschlagenen Vortrag Problempunkte und Chancen sowie praktische Implikationen aufgezeigt, die der altersbedingte Wohnortswechsel Hochbetagter unter den benannten Rahmenbedingungen mit sich bringt. Es wird dargelegt, dass ein Umzug im vierten Lebensalter die eigene Vergänglichkeit drastisch vor Augen, so dass dieser nicht als Neubeginn wahrgenommen werden kann. Tatsächlich handelt es sich dabei auch vielmehr um eine (Nahezu-)Auflösung des eigenen Haushaltes. Gleichsam birgt diese belastende Situation eine Menge Potential für die Senioren: Sie könne sich bewusst von ihrer vertrauten Umgebung verabschieden und die neue ihren Wünschen entsprechend gestalten. Sie haben die Möglichkeit, die Weitergabe Ihnen wichtiger Objekte persönlich zu vollziehen und könne bewusst und selbständig ihre Angelegenheiten regeln. Selbstvollzogene Biographiearbeit und das bewusstwerden der Kontrollmöglichkeiten bezüglich der eigenen Belange sind nur zwei Beispiele für positive Ergebnisse einer aktive Implikation in dieser Stresssituation.